Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
339
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339Zwanzigster Abschnitt.milie erweisen könnt. Als Krito ihn hiernächst fragte,auf welche Art er begraben zu seyn wünschte, versez-te er:Wie es euch beliebt, wenn ihr mich festhaltenkönnt, und ich euch nicht aus den Händen entwische.Zu gleicher Zeit sah er seine Freunde lächelnd an,und sagte:Ich kann doch nie den Kritò überreden,daß Sokrates der ist, welcher mit euch spricht, unddie verschiedenen Theile seiner Rede ordnet; denn erbildet sich immer ein, ich sey das, was er über einekleine Weile todt sehen wird, er verwechselt mich mit mei-nem Leichname, und frägt mich daher, wie ich begrabenzu werden wünsche. Nach diesen Worten stand erauf, und gieng in ein Nebenzimmer ins Bad. Alser wieder zurükgekommen war, wurden seine Kinderzu ihm gebracht, denn er hatte deren drei, von denenzwei noch ganz klein waren. Er sprach einige Zeitmit ihnen, gab den Weibern, welche die Aufsicht übersie hatten, seine Befehle, und schikte sie fort; woraufer in seine Kammer zurükkehrte, und sich auf sein Bettniederlegte.In diesem Augenblik kam der Gerichtsdiener derEilfe herein; er sagte ihm, daß es jezt Zeit sey (umSonnenuntergang) den Schierling zu trinken, und wardabei so sehr gerührt, daß er sich umwandte und weinte.Sehet, sagte Sokrates, das gute Herz dieses Menschen;seit meiner Gefangenschaft ist er oft zu mir gekommen,sich mit mir zu unterreden; er ist braver, als alleseines gleichen; wie herzlich der arme Mann übermich weint! Dies ist ein merkwürdiges Beispiel, undsollte alle diejenigen, die dergleichen Aemter haben, leh-ren, wie sie sich gegen Gefangene verhalten sollten, vor-nehmlich aber gegen Leute von Verdienst, wenn diese sounglüklich sind, ihnen in die Hände zu fallen. Nunwurde der Todestrank gebracht. Sokrates fragte, wieer sich dabei zu verhalten habe.Nichts mehr, erwie-derte der Diener, als daß du nach Ausleerung desBer