Geschichte der Griechen,70Bald nach Vollendung dieses wichtigen Geschäftesward Solon von einer Menge überlästiger Menschenumringt, die ihm Vorschläge zu Veränderungen, Lob-sprüche, oder Vorwürfe machten. Um diesen Unan-nehmlichkeiten auszuweichen suchte er um Erlaubnißan, sich eine Zeitlang von Athen zu entfernen. Erreiste nach Egypten, nach Lydien, wo er von dem KönigCrösus freundschaftlich aufgenommen wurde, und nachKreta, wo er dem Beherrscher eines kleinen LandstrichsUnterricht in der Regierungskunst gab. Zehn Jahreblieb er von seiner Vaterstadt entfernt; als er zurükkehr-te, fand er dieselbe neuerdings durch den Haß der dreyPartheien zerrüttet, welche er durch die neue Verfassungberuhigt glaubte. Die Bewohner des platten Landes,die Bewohner der Gebirge, und die, so an der Seeküstesich durch Handel und Gewerbe nährten, wurden jede voneinem eigenen Anführer geleitet, und machten sich wech-selseitig mit neuer Erbitterung das Uebergewicht imStaate ſtreitig.Achter Abschnitt.Pisistratus und seine Söhne.Pisistratus war unter diesen Partheihäuptern der mäch-tigste. Er vereinte mit einer männlich schönen Gestaltalle Vorzüge, die Reichthum und eine hohe Stufe vonBildung gewähren können. Seine hohe Geburt, seinerprobter Muth, seine hinreissende Beredsamkeit, beson-ders aber die Sanftmuth und Geschmeidigkeit seinesCharakters, mit der er seine höchste Leidenschaft, denEhrgeiz zu verschleiern wußte, machten ihn zu dem Ab-gott des Volkes. Er stellte sich als den eifrigsten Ver-fechter der demokratischen Verfassung dar, während erdie Freiheit seines Volkes untergrub, und war im Be-griff, seinen Zwek zu erreichen, als Solon, wahrscheinlichvon
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