324Geschichte der Griechen,Dieser Rükzug der zehntausend Griechen ist immervon Meistern der Kriegskunst als ein höchst ausserordentli-ches Unternehmen betrachtet worden. Er flößte denGriechen gewissermaßen auf immer eine Verachtung ge-den die Macht der Perser ein; er lehrte sie, daß manihr Reich ohne Gefahr anfallen koͤnne, und daß inPersien eindringen nicht viel mehr sey, als einen im-mer weichenden Feind verfolgen, der sich nur zeigte,mehr einen Sieg, als ein Treffen anzubieten.Zwanzigster Abschnitt.Sokrates, seine Lehren, und sein Tod.Unterdessen Griechenland in Asien Ruhm gewann, ver-lor Athen seine Ehre zu Hause. Wiewohl es jezt ei-nige Ruhezeit hatte, um sich von der neuerlichen Zer-rüttung zu erhohlen, so war doch der Saumen desHaders und Zwiespalts noch nicht ganz ausgerottet,und die Bürger suchten noch immer mit gleicher Bos-heit, einander zu Grunde zu richten. Sokrates warder erste, der in diesen bürgerlichen Zwistigkeiten zumOpfer ward. Wir haben bereits diesen Mann, wel-cher der Sohn eines geringen Bürgers in Athen war,sich aus der Dunkelheit seiner Geburt empor schwingen,und Beispiele der Tapferkeit, Mäßigung und Weisheitgeben gesehen; wir haben gesehen, wie er dem Alci-biades im Treffen das Leben rettete, wie er sich wei-gerte, an dem Urtheile, welches ungerechter Weise diesechs, athenischen Feldherrn zum Tode verdammte, Theilzu nehmen, wie er den dreisig Tyrannen widerstand,und wie er den Aberglauben und die Verfolgungssuchtseiner Zeiten mit dem durchdringendsten Scharfsinneund dem beißendsten Spotte verfolgte. Er besaß ei-ne beispiellose Güte und allgemeine Menschenliebe; er1gte
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