338Geschichte der Griechen,ungefähr aufgeworfen wurde: ob ein wahrer Philosophnicht wünschen und sich bemühen müsse, zu sterben?Aus diesem Satze, zu wörtlich genommen, schien zufolgen, daß ein Philosoph sich selbst ums Leben brin-gen könne. Sokrates zeigte, daß nichts irriger seyals dieser Begriff, und daß der Mensch, da er Gottangehöre, welcher alle geschaffen und ihm selbst seinenPosten in der Welt angewiesen, nicht ohne Erlaubnißvon diesem Posten weichen, und also nicht ohne Be-fehl das Leben verlassen dürfe. Was ist es aber,das einen Philosophen bewegen kann, den Tod zuwünschen? nichts anders, als die Hoffnung derjenigenGlükseligkeit, die er in einem andern Leben erwartet;und diese Hoffnung kann sich nur auf den Glaubenan die Unsterblichkeit der Seele gründen.Ueber diese große wichtige Materie unterredetesich Sokrates am lezten Tage seines Lebens mit seinenFreunden. Er erklärte seinen Freunden alle Beweisefür die Unsterblichkeit der Seele, welche seine Ver-nunft ihm darbot, und widerlegte alle Einwürfe ge-gen dieselbe, welches ungefähr die nämlichen sind, dieman noch heut zu Tag zu machen pflegt. Plato, hatin seinem vortrefflichen Phädon diese merkwürdigeUnterredung aufbewahrt.Als Sokrates zu reden aufgehört hatte, bat ihnKrito, ihm und seinen Freunden wegen seiner Kinderund übrigen Angelegenheiten Aufträge zu geben, da-mit sie durch Vollziehung derselben doch den Trost ha-ben möchten, ihm noch nach seinem Tode gefällig zuseyn. „Ich werde euch nichts weiter empfehlen, er-„wiederte Sokrates, als was ich euch bereits empfohlenhabe, nämlich daß ihr für euch selbst Sorge traget.„Dieß ist der größte Dienst, den ihr euch selbst, und„das größte Vergnügen, das ihr mir und meiner Fa-vmilie
fürnschmütd.