Geschichte der Griechen,336„Theil meines Reichthums dazu nicht aufopfern wol-plen. Wird sich das Volk je überreden lassen, daß„ein so weiser Mann, wie Sokrates, das Gefängnißnicht verlassen wollte, wenn er es mit aller mögli-vchen Sicherheit hätte thun können? Vielleicht fürch-„test du dich, deine Freunde in Gefahr zu setzen, ihre„Güter oder selbst ihr Leben oder ihre Freiheit zuverlieren; aber kann ihnen irgend in der Welt etwas„theurer und kostbarer seyn, als die Erhaltung des„Sokrates? Selbst Fremde machen ihnen diese Ehre„streitig; viele derselben sind ausdrüklich mit großen„Summen Geldes hier angekommen, um deine Flucht zuverkaufen, und erklären, daß sie sich für geehrt hal-»ten würden, wenn sie dich unter sich aufnehmen könn-»ten, und daß sie dich reichlich mit allem, was du nurvnöthig haben würdest, versehen wollten. Mußt duodich Feinden dahin geben, welche es dahin gebracht„haben, daß du ungerechter Weise zum Tode verdammt„worden, und kannst du es für erlaubt halten, zum„Verräther deiner eigenen Sache zu werden? Istves nicht Pflicht deines Wohlwollens und deiner Ge-prechtigkeit, deine Mitbürger von dem Verbrechen desunschuldig vergossenen Blutes zu retten? Aber, wennvalle diese Beweggründe nichts über dich vermögen,wenn du in Betracht deiner selbst ganz gleichgültig„bist, kannst du denn gegen das Wohl deiner Kinder„fühllos seyn? In welchem Zustande würdest du sieverlassen! Könntest du den Vater so ganz vergessen,vund blos des Philosophen eingedenk seyn?»Nachdem ihn Sokrates mit Aufmerksamkeit ange-hört, lobte er seinen Eifer, und bezeugte ihm seine Dank-barkeit; aber ehe er in seinen Vorschlag willigen könn-te, sagte er, müsse er erst untersuchen, ob es auchrecht von ihm gethan seyn würde, das Gefängniß ohneErlaubniß der Athner zu verlassen. Die Frage waralso
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