332Geschichte der Griechen,oderjenigen nicht nachahme, welche bei viel geringeren„Vorfällen ihre Richter mit Thränen anflehen, und um„Gnade bitten und dabei ihre Kinder, Verwandtenund Freunde vorführen, so geschieht das nicht aus„Stolz und Halsstarrigkeit, oder aus Verachtung ge-ogen euch, sondern einzig und allein aus Besorgniß fürneure Ehre, und für die Ehre der ganzen Stadt. Ihr„müßt wissen, daß es unter unsern Brüdern Leutegiebt, die den Tod gar nicht als ein Uebel ansehen,„sondern blos der Ungerechtigkeit und Schande diesen„Namen geben. Würde es nun wohl, in meinem Al-ver, bei dem guten Rufe er sey gegründet oder nicht,⸗worin' ich stehe, anſtändig für mich ſeyn, wenn ichoben den Lehren von Verachtung des Todes, diepich gegeben, mich selbst vor dem Tode fürchtete, undalso durch meine lezte Handlung alle Grundsätze und„Gesinnungen meines vergangenen Lebens Lügen straf-»te?«„Aber ohne von meinem Namen zu reden, den ich„durch ein solches Verhalten äusserst kränken würde, so„halte ich es nicht für erlaubt, einen Richter zu bitten,„oder durch Thränen und Flehen seine Lossprechung zu„bewirken. Der Richter sollte überredet und überzeugt„werden. Denn er sizt nicht da, durch Verletzung der„Gesetze Gunst zu erweisen, sondern durch Befolgung„derselben Gerechtigkeit ergehen zu lassen. Er schwört,„nicht ungestraft, wo ihm beliebt, loszusprechen, son-„dern nach dem Gesez zu strafen. Wir sollten euch„daher nicht zum Meineide gewöhnen, und ihr es nicht„dulden, daß man euch dazu gewöhnt; denn sonst treten„wir beide auf gleiche Weise Gerechtigkeit und Religion„mit Füssen, und sind beide strafbare Verbrecher.„Erwartet also nicht von mir, Athener, daß ichvor euch zu Mitteln meine Zuflucht nehme, die ich we-„der
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten