330Geschichte der Griechen,also, nachdem ich jeden Posten, den unsere Feldherrn⸗mir bei Potidaea, Amphipolis und Delium angewie-„sen, treulich behauptet, jezt aus Furcht vor dem Tode„diesen Posten im Stiche ließe, den die göttliche Vor-„sehung mir angewiesen, indem sie mir anbefohlen,vmein Leben mit Erforschung der Wahrheit hinzubrin-gen, um mich selbst und Andere zu belehren; so würdepich der strafbarste Ueberläufer seyn, und allerdingsverdienen, daß man mich als einen gottlosen Menschen,oder keine Goͤtter glaube, vor dieses Gericht forderte.»Sollte es euch belieben, mich loszuſprechen, unter der„Bedingung, daß ich mich künftig ändern sollte, sowürde ich kein Bedenken tragen, euch zu antworten:»Athener, ich ehre und liebe euch; aber ich will lieber„Gott gehorchen, als euch, und werde nie, bis an mei-nen lezten Athemzug, meiner Philosophie entsagen,vnie aufhören, meiner Gewohnheit gemäß euch zu er-„mahnen und Verweise zu geben, und zu Jedem von euch,wenn er mir begegnet, zu sagen: Mein guter Freundund Mitbürger der berühmtesten Stadt in der Welt„wegen ihrer Weisheit und Tapferkeit, schämst du dichnicht, auf nichts anders bedacht zu seyn, als Reich-»thümer und Ehre, Ansehen und Würden zu erlangen,unterdessen du Schätze der Klugheit, Wahrheit und„Weisheit vernachläßigest, und dir keine Mühe giebst,odeine Seele so gut und vollkommen zu machen, als»ſie zu ſeyn faͤhig iſt.„Man beschuldigt mich einer niedrigen Furcht, ei-nes kleinen schwachen Geistes, weil ich geschäftig bin,„Jedem bloß für sich meinen Rath mitzutheilen, und im-mer vermieden habe, in euern öffentlichen Versamm-„lungen zugegen zu seyn, um meinem Vaterlande das„Beste zu rathen. Mich dünkt aber, ich habe meine»Tapferkeit genug bewiesen, sowohl im Felde, wo ichunter euch gefochten, als im Senate, wo ich mich al-lein
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