Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
328
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Geschichte der Griechen,328logie des Sokrates, eins der vollkommensten Meister-stücke des Alterthums, wovon hier ein Auszug folgt.An dem bestimmten Tage nahm das Gericht in ge-wöhnlicher Form seinen Anfang. Die Partheien erschie-nen vor den Richtern, und Melitus sprach zuerst. Jeschlechter seine Sache, und je weniger er mit Bewei-sen versehen war, desto mehr Geschiklichkeit und Kunsthatte er nöthig, ihre Schwäche zu decken. Er un-terließ nichts, was den Beklagten verhaßt machen konn-te, und der täuschende Glanz einer prächtigen und leb-haften Beredsamkeit diente ihm statt der Gründe, die ihmnothwendig mangeln mußten. Als er ausgeredet hatte,sagte Sokrates, er wisse zwar nicht, was für Eindrückedie Rede seiner Ankläger auf die Richter gemacht habenmöchte, indessen müsse er für seine Person doch gestehen,daß er sich jetzt kaum selbst kenne, einen so künstlichenAnstrich, so viel Wahrscheinlichkeit hätte Melitus seinenGründen zu geben gewußt, wiewohl kein wahres Wortan Allem sey, was derselbe gesagt hätte.Man beschuldigt mich, sprach er, daß ich dieJugend verführe, und ihr gefährliche Grundsätze ein-pflöße, sowohl in Betracht der Verehrung der Götter,vals der Verwaltung des Staats. Ihr wisset, Athener,daß ich mir nie ein besonderes Geschäft daraus mach-te, andere zu lehren; auch kann der Neid, so ent-prüstet er gegen mich seyn mag, mir nicht vorwerfen,»daß ich je meinen Unterricht verkauft habe. Einunwiderleglicher Beweis, daß ich hierin nicht lüge,vist meine Armuth. Immer gleich bereitwillig, meinevGedanken dem Reichen oder Armen ohne Unterschiedvmitzutheilen, und ihnen völlige Zeit zu lassen, mich zufragen oder mir zu antworten, überlaße ich mich jedem,vwelcher tugendhaft zu werden wünscht; und wenn unterdenen, die mich hören, sich Leute befinden, die entwedergut oder böse sind, so darf man weder die Tugen-den