Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
326
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326Geschichte der Griechen,nem Platze auf, und zeigte sich während der Auffüh-rung. Dies war der erste Streich, den man ihm ver-sezte, und erst zwanzig Jahre nachher verklagte ihnMelitus öffentlich vor Gericht auf Tod und Leben.Die Anklage bestand aus zwei Hauptstücken; das erstewar, daß er an die Götter, welche die Republik ver-ehrte, nicht glaube, und neue Gottheiten einführe; daszweite, daß er die athenische Jugend zum Bösen ver-führe, woraus der Kläger den Schluß zog, daß manihn zum Tode verdammen müsse. In wieferne die gan-ze Anklage ihn getroffen, läßt sich nicht leicht bestim-men: gewiß ist, daß er es bei so vielem Religionsei-fer und Aberglauben, als damals in Athen herrschte,nie wagen durfte, sich öffentlich gegen die eingeführteReligion zu erklären, und also gezwungen war, ei-nen äussern Schein derselben beizubehalten; aber sehrwahrscheinlich ist es aus den Unterredungen, die er mitseinen Freunden hatte, daß er die ungeheuern Meinun-gen und lächerlichen Mysterien seiner Zeit im Herzenverachtete und verlachte, als Dinge, die bloß in denFabeln der Dichter ihren Grund hätten, und daß ersich wirklich zu dem Begriffe des einzigen wahren Got-tes aufgeschwungen, so daß einige kein Bedenken tra-gen, ihn in Betracht seines Glaubens an die Gottheit,und seines exemplarischen Lebens, den christlichen Phi-losophen an die Seite zu setzen.Sobald die Klage gegen ihn vor die Richtergebracht war, machten seine Freunde Anstalt, ihn zuvertheidigen. Lysias, der geschikteste Redner seiner Zeit,brachte ihm eine sehr ausgearbeitete Rede von seinerHand, worin er die Gründe und Verhaltungsregelndes Sokrates in ihrer ganzen Stärke ausgeführt, undAlles mit den rührendsten, eindringendsten Zügen derBeredsamkeit, welche fähig waren, die härtesten Her-zen zu schmelzen, durchwebt hatte. Sokrates las siemit