Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
325
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325Zwanzigster Abschnitt.hegte immer Mitleid mit den Lastern Anderer, indemer selbst von denselben frei war; gleichwohl kannte erseine eigenen Mängel, und wenn er auf irgend etwasstolz war, so war es darauf, daß man glaubte, er ha-be keine. Er schien, sagt Libanius, der allgemeine Va-ter der Republik zu seyn, so aufmerksam war er auf denVortheil und die Glükseligkeit seines ganzen Vaterlandes.Da es aber sehr schwer ist, das Alter zu bessern, undLeuten andere Grundsätze beizubringen, welche die Irr-thümer verehren, in denen sie grau geworden sind, sowidmete er seine Bemühungen vorzüglich dem Unterrich-te der Jugend, um den Saamen der Tugend in einemBoden auszustreuen, von welchem er eher erwartenkonnte, daß er einst gedeihen und Früchte tragen wür-de. Er hatte weder eine öffentliche Schule gleich denübrigen Philosophen, noch festgesezte Lehrstunden, we-der einen bestimmten Versammlungsort noch einen Lehr-stuhl; er war der Philosoph aller Zeiten und Stun-den; er lehrte an allen Orten, bei dem Spazierenge-hen, bei Tische, bei dem Heere, mitten im Lager, inden öffentlichen Versammlungen des Senats oder desVolkes. Dies war der Mann, den die Sophisten inAthen, die er immer siegreich bekämpfte und derenLehren er lächerlich machte, schon lange zum Untergan-ge ausgezeichnet hatten. Er war schon viele Jahre vorseinem Tode der Gegenstand ihrer Satyre und ihresSpottes gewesen. Unter andern miethete man denLustspieldichter Aristophanes, ihn auf der Bühne demöffentlichen Gelächter Preis zu geben. Dieser verfer-tigte ein Stük, die Wolken betitelt, worin er denPhilosophen in einem Korbe sitzend einführte, und ihndie lächerlichsten Ungereimtheiten sprechen ließ. Sokra-tes, der bei der Vorstellung dieser Posse selbst zuge-gen war, schien nicht den geringsten Verdruß darüberzu empfinden, und als einige Fremde das Originaldes Stückes zu kennen wünschten, stand er von sei-nem