Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
322
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Geschichte der Griechen,522fe seinen Zwek erreicht, als er so weit entfernt war,sein Wort zu halten, daß er ihnen nicht einmal denSold, worüber sie eins geworden waren, auszahlenwollte. Xenophon machte ihm die bittersten Vorwür-fe über diese Bundbrüchigkeit, und schob die Schuldseiner Treulosigkeit auf seinen Minister Heraklides,welcher sich dadurch bei seinem Herrn einzuschmeichelnsuche, daß er ihm eine Summe Geldes erspare, aufKosten der Gerechtigkeit, Treue und Redlichkeit, Ei-genschaften, die einem Fürsten theurer seyn müßten,als alle andere, da sie sowohl zu seiner Ehre, als zudem Glücke seiner Angehörigen und zur Sicherheiteines Staates das meiste beitrügen. Aber dieser ver-ächtliche Minister, welcher Ehre, Redlichkeit und Ge-rechtigkeit als bloße Chimären ansähe, und nichts fürwünschenswürdig hielt, als den Besiz großer Reichthü-mer, sey wirklich auf nichts anders bedacht, als sichselbst, durch was für Mittel es seyn möchte, zu be-reichern; er beraube daher zuerst seinen Herrn, unddann alle seine Unterthanen mit ihm. Gleichwohl, fuhrXenophon fort, sollte jeder Mensch, vornehmlich Je-der, der über andere gesezt sey, Gerechtigkeit, Red-lichkeit, Treue und Glauben bei Versprechungen alsden kostbarsten Schaz ansehen, den er nur be-sitzen könnte, und als eine sichere Zuflucht, eine unfehl-bare Stütze bei allen möglichen Ereignissen und Um-ständen. Heraklides sey wegen dieses Verfahrens ge-gen die Truppen um desto weniger zu entschuldigen,da er ein geborner Grieche, und nicht ein Thraziersey, aber Habsucht habe alles Gefühl von Ehre in ihmvertilgt.Indem der Streit zwischen dem Seuthes undXenophon am hitzigsten war, kamen Charminus undPolynices als Gesandte von Sparta an, und brach-ten die Nachricht, daß die Republik gegen den Tissa-pher-