293Geschichte der Griechen,er damit umgienge, die gegenwärtige Verfassung zustürzen. Das Todesurtheil ward über ihn gesprochen,und er sah sich genöthigt, den Schierlingsbecher zutrinken, welche Art der Hinrichtung damals in Athendie gewöhnliche war. Sokrates, dessen Schüler er ge-wesen, war der Einzige im Senate, der es wagte,ihn zu vertheidigen; er gab sich alle Mühe, ihn zuretten, und als er hingerichtet war, bot er ungescheutden Dreisigen Troz, und ermahnte die Bürger, einesolche Tyrannei nicht länger zu dulden.Sobald die Tyrannen sich eines Gehülfen entle-digt hatten, dessen Gegenwart allein ein Zügel ihrerWillkühr war, kannten sie weiter keine Schranken. Diedurch Reichthum, oder Ansehen ausgezeichnetesten Bürgerwurden gemordet, oder in die Kerker geworfen, jeder-mann zitterte für sich selbst oder seine Freunde. Dasallgemeine Elend war ohne Rettung, und alle Hoff-nung, die verlorne Freiheit zu erlangen, war dahin.Alle Bürger von einiger Wichtigkeit in Athen, unddie noch nicht alle Liebe zur Freiheit verloren hatten,verließen eine Stadt, die jezt unter dem Joche einerso harten und schimpflichen Sklaverei seufzte, und such-ten anderswo irgend einen Aufenthalt, wo sie in Si-cherheit leben konnten. Die Lacedämonier hatten dieUnmenschlichkeit, diesen unglüklichen Flüchtlingen auchdiese lezte Zuflucht rauben zu wollen. Sie ver-boten den griechischen Städten, dieselben aufzunehmen,befahlen, daß man sie den dreisig Tyrannen auslie-fern sollte, und verdammten Jeden, der diesem Be-fehle zuwider handeln würde, zu einer Geldstrafe vonfünf Talenten. Nur zwei Städte verwarfen mit Unwil-len eine so ungerechte Verordnung, Megara und The-ben; ja die leztere befahl, daß Jeder hart bestraft wer-den sollte, der einen Athener von seinen Feinden ange-grif-
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