Geschichte der Griechen,202mit hundert und fünfzig Schiffen vor Athen, unterdeßAgis und Pauſanias, die beiden Könige von Sparta,anrükten, die Stadt zu Lande zu belagern. (Jahrvor Chr. Geb. 405.)Die Athener, von allen Seiten bedrängt, ohneLebensmittel, Schiffe oder Hoffnung einer Hülfe, er-trugen hartnäckig alle Leiden der Belagerung. Siesahen kaltblütig den Jammer ihrer Familien, die demMangel und den Krankheiten unterlagen; der Parthei-geist wüthete unter ihnen; die Ueberreste der Vierhun-dert erhoben ihr Haupt wieder; Vorwand zu gericht-lichen Verfolgungen war leicht zu finden, und unterdem Scheine des Rechtes herrschte die Willkühr, derenWirkung besonders den Volksrednern tödtlich ward.Endlich, nachdem das Elend sich unter allen Gestalten überdie unglükliche Stadt verbreitet hatte, wurden Abgeord-nete an den König Agis geschikt; der König wies siean den Rath von Sparta. Sie machten den Antrag,allen ihren Besitzungen zu entsagen, nur ihre Stadtund den Hafen ausgenommen. Diese Bedingnisse wur-den verworfen. Jezt nahm Theramenes die Unterhand-lungen über sich. Er begab sich zu Lysander, abernach drei Monaten kehrte er mit der Nachricht zurük,daß eine neue Gesandtschaft nach Sparta abgehen müsse.Während dieſer Zeit wuͤthete der Hunger in der gänz-lich erschöpften Stadt. Theramenes ward, von neunGefährten begleitet, mit dem Auftrag nach Spartagesandt, den Frieden auf jede Bedingniß abzuschließen.Als er vor den Ephoren erschien, drangen verschiedenevon den Bundesgenossen darauf, daß man Athen gänz-lich zerstören sollte, ohne ferneren Vorschlägen Gehörzu geben. Allein die Lacedämonier erklärten, daß sienicht in den Untergang einer Stadt willigen könnten,welche Griechenland in den gefährlichsten Umständenvom Untergang errettet hätte. Sie bewilligten alsoeinen
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