Geschichte der Griechen,260bei dem Gedanken an die Größe, von welcher sie ge-fallen, an das äusserste Elend, in welches sie gesunkenwaren, und die noch größeren Uebel, denen sie, wiesie voraussahen, unmöglich würden entgehen können.Und unerträglich war ihnen die ihrer Seele immervorschwebende Vergleichung des triumphirenden Zustan-des, in welchem sie Athen verlassen hatten, unter denSegenswünschen und Zurufungen des Volkes, mit derSchande ihres Rükzuges, verbittert durch das Geschreiund die Flüche ihrer Verwandten und Mitbürger.Der bedauernswürdigste Gegenstand des ganzenSchauspiels aber war Nicias; niedergeschlagen und ab-gezehrt durch eine langwierige Krankheit, beraubt dernöthigsten Bedürfnisse zu einer Zeit, da sein Alter undseine Gebrechen sie am dringendsten forderten, gequältnicht durch seinen eigenen Kummer, sondern durch dieBedrängnisse seines Heeres; gleichwohl war dieser grö-ße Mann, über eigene Widerwärtigkeiten erhaben, aufnichts anders bedacht, als seine Truppen zu tröstenund ihnen neuen Muth einzuflößen. Er war allent-halben gegenwärtig, rief laut, daß ihr Zustand nichtohne Rettung sey, und daß andere Heere schon oftgrößeren Gefahren entgangen wären; sie sollten sich nurnicht anklagen, oder sich unmäßig grämen über Wider-wärtigkeiten, an denen sie selbst nicht Schuld hätten;sollten sie ja irgend einen Gott beleidigt haben, somüsse gewiß seine Rache jezt gesättigt seyn; das Glük,nachdem es so lange den Feind begünstigt, würde jaendlich müde werden, sie zu verfolgen; ihre Tapferkeitund ihre Anzahl (denn sie waren noch an vierzigtausendMann stark) mache sie noch furchtbar; keine Stadt inSicilien würde ihnen widerstehen, oder sie hindern kön-nen, sich niederzulassen, wo sie es für gut fänden; siehätten jezt nur sorgfältig auf ihrer Hut zu seyn, undin guter Ordnung fortzurücken, durch einen klugenund
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