235Achtzehnter Abschnitt.Kurz nach der Eroberung von Catana ward Al-cibiades aus Sizilien abgerufen. Die Veranlassungwar folgende: Während den Rüstungen gegen Syra-kus wurden zu Athen in einer Nacht alle Bildsäulen desMerkurs bis auf eine einzige verstümmelt, die vor demHause des Redners Andocides stand. Die Athener, die oh-ne Bedenken die Tempel derselben Götter, die von ihnenverehrt wurden, in den eroberten Städten beraubten undzerstörten, vermuthlich weil sie glaubten, die Götterhätten die durch das Schiksal dem Untergang geweih-ten Orte bereits verlassen, beobachteten gewissenhaftihre religiösen Gebräuche, in denen sie das festeste Bandbürgerlicher Gesellschaft wahrnahmen. Sie straftenohne Nachsicht die Verächter der Gottheit mit demTode, oft auf bloßen Verdacht, wie wir in dem Ver-folge dieser Geschichte bei dem Sokrates erzählen wer-den. Die ganze Stadt gerieth in Bestürzung überdie unerhörte That, und die Feinde des Alcibiadeswälzten den Vedacht auf diesen durch mancherlei Aus-schweifungen berüchtigten Mann. Es ist nicht zuver-läßig, ob er wirklich Antheil an dieser Verstümmlungder Merkurssäulen hatte, aber er ward jezt angeklagt,die eleusinischen Geheimnisse, die zu jener Zeit einwesentlicher Theil der Religion waren, lächerlich ge-macht zu haben. Im Vertrauen auf die Anhänglich-keit des Heeres forderte Alcibiades selbst die Unter-suchung und Entscheidung dieser Angelegenheit vor derAbfahrt der Flotten nach Sizilien, aber seine Feinde,die es für gefährlich hielten, ihn mitten unter so vie-len ihm innig ergebenen Kriegern anzugreifen, veran-laßten einen Volksschluß, nach welchem die Untersu-chung dieser Sache bis zur Rükkehr des Alcibiadesverschoben wurde. Doch kurz nach der Abreise des-selben wurde er und viele ansehnliche Bürger vonAthen, besonders aber seine Freunde, von dem Ando-rides, der auf den Verdacht der Theilnahme an die-sem
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