227Achtzehnter Abschnitt.derstehliche Beredsamkeit anzueignen, mit der sich Sokra-tes weit über alle seine Zeitgenossen erhob. Die Ge-schichtschreiber erzählen uns, wie Alcibiades in den ver-schiedenen Perioden seines unstäten Lebens die Atheneran Prachtliebe, die Sparter an Enthaltsamkeit zu über-treffen suchte, wie er die Arbeitsamkeit der Theber, unddie Ueppigkeit der Jonier nachahmte, und wie er inWeichlichkeit mit den persischen Satrapen, und in demLaster der Trunkenheit mit den rohen Thraziern wettei-ferte. Ausser dieser Geschmeidigkeit, mit der er sich inalle Verhältnisse zu schicken verstand, durchschaute er mithellem Blicke alle Ereignisse und ihre Folgen; er zogdaraus die Resultate, die blos seinem Ehrgeize, demGrundzuge seines Charakters, angemessen waren, ohneRüksicht auf das Wohl seines Vaterlandes. Unter demScheine der Rechtlichkeit betrog er alle, die mit ihm innähere Verhältnisse traten, und legte sein erstes Probe-stük an den spartischen Gesandten ab, die um die Ver-fügungen des mit Nicias abgeschlossenen Friedens zu be-treiben nach Athen gekommen waren.Die Athener hatten zwar in Folge dieses Friedensdie auf der Insel Sphakteria gefangenen Sparter in ihrVaterland zurükgesandt, aber sie übergaben Pylus nicht;ihre Staatsklugheit verbot ihnen, diesen wichtigen Plazzu räumen, bis die Sparter ihrer Seits die Bedingnissedes Friedens in Erfüllung gebracht haben würden.Zwar hatten sie Amphipolis und die übrigen von Brasi-das eroberten oder unterworfenen Städte in Macedoniengeräumt, aber diese waren nicht unter die HerrschaftAthens zurükgekehrt; Panactum war mit niedergerisse-nen Mauern von den Thebern an Sparte übergeben, undPylus sollte gegen diese Stadt an Sparta abgetretenwerden; um diese Verhältnisse auszugleichen, warenGesandte dieser Stadt zu Athen angekommen; sie erklär-ten vor der Versammlung des Senats, sie seyen mitun-P 2
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