Geschichte der Griechen,228unbeschränkter Vollmacht zur Berichtigung dieser Ange-legenheiten versehen; Alcibiades, der in der Fortsetzungdes Krieges Nahrung für seinen Ehrgeiz hoffte, verlei-tete in einer geheimen Unterredung die spartischen Ge-sandten, daß sie am folgenden Tage, wo ihr Antragvor die Versammlung der Athener gebracht werden soll-te, sich hüten möchten zu sagen, daß sie unbeschränkteVollmacht zum Abschluß hätten, weil ihnen das gemei-ne Volk gewiß Bedingnisse vorlegen würde, die mitder Ehre von Sparta unverträglich wären. DieGesandten ließen sich verleiten, dem trügerischen Rathzu folgen; als sie am folgenden Tage vor der Ver-sammlung des Volkes erschienen, fragte sie Alcibiadeslaut um den Umfang ihrer Aufträge und ihrer Voll-macht. Zufolge der getroffenen Abrede läugneten sie,unbeschränkte Vollmacht zu haben; nun klagte sie derlistige Athener in einer heftigen Rede der Treulosigkeitan. „Wie, sprach er; gestern habt ihr im Senateerklärt, ihr hättet unbegränzte Vollmacht, und heuteläugnet ihr, was ihr gestern prahlend behauptet hat-tet? So weit geht eure Falschheit; so habt ihr unsAmphipolis und die übrigen Städte in Macedonienzurükgegeben; so habt ihr uns in den Besiz von Pa-nactum gesezt, aber mit niedergerissenen Mauern; sohaltet ihr die beschwornen Bündnisse, und so brechtihr sie wieder, und schließet zu gleicher Zeit Verträgemit den Thebern, unsern ewigen Feinden? Be-schämt verließen die Gesandten die Versammlung desVolkes; sie wagten nicht, den Betrug aufzudecken, dennhöchst wahrscheinlich würde man ihre Versicherungenfür eine neue Unwahrheit gehalten haben; sie reistensogleich nach Sparta zurük, und Athen trat an dieSpitze des argiviſchen Bundes; der Krieg ward nunerneuert, die Sparter boten nicht nur alle ihre waf-fenfähigen Bürger auf, sie schritten sogar zu dem nurin dem höchsten Nothfall gewöhnlichen Hülfsmittel, dieHeloten zu bewaffnen.
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