Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
226
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Geschichte der Griechen,226Vorzügen des Geistes und des Körpers ausgestattet.Im Jünglingsalter unterschied er frühe von dem ge-meinen Haufen derer, die sich mit der Bildung derJugend beschäftigten, den weisen Sokrates, der dieFähigkeiten des Jünglings bald wahrnahm, und ihnzum würdigen Bürger des Staates zu erziehen be-schloß. Unabläßig warnte er ihn vor den Gefahren,denen der Reichthum, die hohe Abkunft, der Hang zuden damals in Athen herrschenden Ausschweifungen,und ein Schwarm von Schmeichlern, das gewöhnlicheGefolge des Ranges und des Reichthums, diesen Jüng-ling aussezten; begierig horchte der Zögling auf die Lehrendes Weisen, besonders lokte ihn die Beredsamkeit und jenehelle Logik, mit der Sokrates die Sophiſten der atheni-ischen Schule immer siegreich bekämpfte. Aber oft entrißsich der leidenschaftliche Jüngling dem Umgange seinesLehrers, der ihn jedoch wie einen entflohenen Sklavenaufsuchte, und mit väterlicher Zuneigung zu sich zurük-ührte. Doch nicht auf die Bildung ſeines Zoͤglings zudem Privat= und öffentlichen Leben beschränkte sich dieWirksamkeit des Sokrates; wenn das Vaterland seine Bür-ger zu den Waffen rief, war er dem Jüngling als rathen-der Freund und Beschützer zur Seite; ein Zelt diente bei-den zur Ruhestätte; in der Schlacht bei Potidaea rette-te Sokrates dem Alcibiades das Leben, und wandteihm bescheiden den Preis der Tapferkeit zu, den die Be-fehlshaber dem Muthe des Weisen zuerkannt hatten;auch Alcibiades hatte in der Schlacht bei Delium dasGlük, dem Sokrates das Leben zu retten; diese Umstän-de knüpften die Verbindung zwischen dem Lehrer unddem Schüler enger, aber so aufrichtig sie von Seite desSokrates war, so eigennützig war sie von jener des Al-cibiades. Einer der Grundzüge seines Charakters warFalschheit, und er schien die weisen Lehren seines Führersnicht anzuhören, um sein Herz zu bessern, sondern umseinen Geist gewandter zu machen, und sich jene unwi-der=