Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
222
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Griechen,222empfindlich. Die Athener, die sich in allen ihrenUnternehmungen durch Thätigkeit auszeichneten, hat-ten die Unruhen in Chalcis vielleicht für zu unbedeu-tend gehalten, aber jezt erwachten sie aus ihrer Sorg-losigkeit. Nach alter Gewohnheit wurde das, was siedurch eigene Schuld verloren, den Befehlshabern zurLast gelegt, sie wurden verbannt; unter ihnen warThucydides, der Geschichtschreiber. Diese Unfälle mach-ten die Athener geneigt, den von Sparta neuerdings ge-machten Friedensanträgen Gehör zu geben; die Sparterschlugen die Zurükgabe aller von Brasidas gemachtenEroberungen vor, und verlangten dagegen ihre aufder Insel Sphakteria in Gefangenschaft gerathenenMitbürger; es wurde ein Waffenstillstand auf einJahr geschlossen, aber der Friede selbst wurde durchden unglüklichen Einfluß Kleons vereitelt, der stolzauf die gelungene Unternehmung gegen Sphakteriasich jezt für einen vollendeten Feldherrn hielt. Miteinem Heere von zwölfhundert Schwerbewaffneten unddreihundert Reitern, die aus der Blüthe der atheni-schen Jugend gehoben waren, einer beträchtlichen An-zahl von Hülfstruppen aus den verbündeten Städten,und mit dreisig Kriegsschiffen segelte Kleon nach derthrazischen Küste. Er eroberte Torone, dessen Befe-stigungen noch nicht vollendet waren, und dieser leich-te Sieg machte ihm Muth, Amphipolis, die Ursachedes Krieges, anzugreifen. Er zog mit seinem Heerevor die Stadt, und lagerte auf den benachbaren Hö-hen. Brasidas, der die Unfähigkeit und Tollkühnheitseines Gegners kannte, rüstete sich, obschon sein Heeran Mannschaft jenem der Athener nicht gleich war,zur Schlacht. In zwei Abtheilungen zog er aus denThoren von Amphipolis. Kleon, verwirrt durch die-sen unerwarteten Angriff, gab den Befehl zum Rük-zug nach Eion, wo die athenische Flotte lag, alleinnur der linke Flügel seines Heeres konnte diesen Be-fehl