Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

Geschichte der Griechen,200trennt. Die erste dieser Inseln, nach Euboea diegrößte in dem ägäischen Meere, hatte sich, nachdemdie Perser aus Griechenland vertrieben waren, dertyrannischen Herrschaft der Sparter und des Pausa-nias entzogen, und sich unter den Schuz Athens be-geben; aber Athen hatte, nachdem seine Oberherrschaftzur See begründet war, ganz andere Maasregeln er-griffen, und seine Bundesgenossen in die Lage von Un-terthanen versezt. Die Bewohner von Lesbos besorg-ten nicht ohne Grund, daß auch sie das Schiksal derübrigen Verbündeten dieser ehrgeizigen Republik treffen,und sie gezwungen seyn würden, die Mauern ihrerStädte niederzureissen, ihre Schiffe auszuliefern, undihre unabhängige Verfassung mit einer von der Will-kühr der Athener eingesezten Regierung zu vertauschen;schon sahen sie sich in der Lage, den Demagogen Athenszu schmeicheln, oder sie zu bestechen, und dennochschien es, als wenn sie ihre billigen Forderungen blosals Gnadengeschenk, und nicht von der Gerechtigkeitihrer übermüthigen Bundesgenossen erhielten. Sie be-schlossen, die erste vortheilhafte Gelegenheit zu ergrei-fen, und sich von Athen loszureissen. Sie versam-melten ihre auf der Insel zerstreuten Bürger in derHauptstadt Mitylene, verstärkten ihre Wälle, befestig-ten ihre Häfen, vermehrten ihre Schiffe, und schaff-ten von den fruchtbaren Küsten des euxinischen Mee-res große Vorräthe an Kriegs= und Lebensbedürfnissenan. Diese Vorkehrungen blieben den Athenern nichtverborgen, die Einwohner der benachbarten Insel Te-nedos lebten mit den Lesbiern in nachbarlicher Feind-schaft; Methymna, die Nebenbuhlerin von Mitylene,und selbst die Einwohner dieser Stadt, die mißver-gnügt mit der bevorstehenden Veränderung, die bis-herigen Verhältnisse jeder Neuerung vorzogen, unter-richteten die Athener von dem Vorhaben der Bürgervon Mitylene.Die