200Geschichte der Griechen,baten sie wegen ihrer vorigen Undankbarkeit um Ver-gebung. Aber er lebte nicht lange genug, um dieseEhren zu genießen. Er wurde auch von der Seuchebefallen, die, gleich einem tückischen Feind, beim Ab-schiede den herbsten Streich versezte. Als er schonin den lezten Zügen lag, unterredeten sich die vor-nehmsten Bürger, und diejenigen seiner Freunde, dieihn nicht verlassen hatten, über den großen Verlust,den sie durch seinen Tod erleiden würden; sie giengenalle seine Thaten durch, und berechneten die Mengeseiner Siege. Sie glaubten nicht, daß Perikles aufihre Reden merke, da er ganz unempfindlich zu seynschien; aber sie irrten sich sehr, kein Wort war ihmentgangen. „Warum, rief er aus, erhebt ihr dochveine Reihe von Handlungen, an denen das Schik-psal den größten Antheil hatte? Aber einen Umstandvhabt ihr übergangen, den ihr nicht vergessen sollt.„Ich wünsche nämlich, daß man es als den rühmlich-»sten Umstand meines Lebens erwähne, daß kein ein-„ziger Bürger mir je vorwerfen könne, ich habe ihnvin Trauer versezt.Perikles starb, indem er dem Menschengeschlechtdie unschaͤzbare Lehre gab, daß in der lezten wichtigenStunde, wenn alle andere Gegenstände ihren Werthverlieren, die Erinnerung an ein schuldloses Leben al-lein Beruhigung gewährt; vor diesem ruhigen Blikschwanden seine Siege im Feld, und der Glanz, zudem er seine Vaterstadt während einer glüklichenStaatsverwaltung von vierzig Jahren erhoben hatte.(429 v. C. Geb.)Im dritten Jahre dieses Krieges belagerten die Lacedä-monier die Stadt Plataea. Die Belagerung dieser Stadtist eines der merkwürdigsten Ereignisse in der Kriegsge-schichte der griechischen Vorzeit; die Anstrengung despelo-
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