199Siebenzehnter Abschnitt.Athener geäussert habe. Denn das Volk nahm An-fangs seine Zuflucht zu den Göttern, und flehte sieum die Abwendung dieser Plage; da es aber fand,daß sie jeden ohne Unterschied angriff und hinriß, ermochte die Götter verehren oder nicht, so überließ essich zugleich der Verzweiflung und dem ausschweifend-sten Leben, denn da jeder glaubte, daß er vielleichtkaum bis zum andern Tag zu leben habe, so entschloßer sich, seine Zeit und sein Geld so gut zu benutzen,als er nur konnte. Die Schuld alles dieses Unglüksg auf den Perikles, weil er eineschob man durchgängsolche Menge Menschen in die Stadt zusammengepreßt,und dadurch die Luft verdorben hätte. Aber unge-achtet dieser Niederlage von innen, und der Verwu-stungen des Feindes von aussen, blieb er noch immerder Meinung, daß man seine ganze Hoffnung nichtauf den Ausgang eines Treffens setzen dürfe. Unter-dessen rükte der Feind immer näher, verheerte dasganze Land, und kehrte endlich, nachdem er den un-glüklichen Athenern, die durch Pest und Hungersnothaufs Aeusserste gebracht waren, Hohn gesprochen, wie-der zurük.Leichtsinn und Wankelmuth waren herrschende Ei-genschaften dieses Volkes; diese rissen sie oft plözlichzu den äussersten Ausschweifungen hin, und brachtensie dann eben sobald in die Gränzen der Mäßigungund Ehrfurcht zurük. Perikles war lange ihr Abgottgewesen; die Widerwärtigkeiten des Staats fiengenendlich an, ihn verhaßt zu machen; sie hatten ihm denOberbefehl der Armee genommen, bereuten aber jeztihre Uebereilung, und sezten ihn kurz nachher mitmehr als voriger Gewalt wieder in seine Würde ein.Durch Leiden zahm gemacht, fiengen sie an, geduldigihre häuslichen Widerwärtigkeiten zu ertragen, undvon angeborner Liebe für ihr Vaterland durchdrungen,ba-
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