72Geschichte der Griechen,Pisistratus ward während dem Zeitraum von dreyund dreisig Jahren, der von seiner Ergreifung derhöchsten Gewalt bis zu seinem Tode verlief, zweimaldurch die Macht der beiden Häupter der Partheien,Lykurg und Megakles, aus Athen vertrieben, undkehrte zweimal im Triumphe dahin zurük. Nach sei-ner zweiten Verbannung schlug er bey Marathon dasHeer, welches ihm die Alkmaeoniden, die sich der Re-gierung Athens bemächtigt hatten, entgegen stellten, abermit einer Menschlichkeit, die in jenen Zeiten selten war,ließ er dem Morden sogleich Einhalt thun, als dieFlucht des Heeres der Athener begann, und sandte denFlüchtlingen seine Reiter nach, die jedem, der ruhig inseine Heimath zurükkehren würde, Sicherheit der Per-son und des Eigenthums versprachen; Pisistratus hieltdieses Versprechen. Obschon er jezt durch den Kriegdie höchste Macht im Staate besas, mißbrauchte er dochdieselbe nicht; er hielt streng über den Gesezen Solons,und stellte sich vor dem Areopagus, als er einst wegeneinem Mord angeklagt war. Er öffnete dem Volkeseine Gärten, und war jedem zugänglich; immer zurHülfe für die Nothleidenden bereit, vergaß oder über-sah er die Beleidigungen, die ihn oder seine Familiebetrafen. Wissenschaften und bildende Künste ermun-terte er durch Belohnung und Unterstüzung; HomersGedichte wurden durch ihn, wie man allgemein glaubt,geordnet, wie sie auf unsere Zeiten gekommen sind; erließ diese unsterblichen Werke an den Festen der Pa-nathenaen vorlesen, und durch Abschriften vervielfäl-tigen. Er ließ eine Büchersammlung zum öffentlichenGebrauch anlegen, und sein Bestreben war, das Volkdurch ruhigen Genuß des Lebens zu beglüken, aberauch dasselbe von jedem Antheil an der Regierung zuentfernen. Akerbau und Betriebsamkeit wurden vonihm ermuntert, und er gab dem Landbau viele Armewieder, die der Müssiggang und der Partheigeist in dieStadt
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