71Achter Abschnitt.von seinen die Gefahr des Vaterlands ahnenden Freun-den zurükgerufen, in Athen erschien. Er durchschautebald das Vorhaben des Pisistratus, und suchte durch ver-schiedene Kunstgriffe den Umsturz der bedrohten Verfas-sung zu verhindern, als Pisistratus plözlich mit Wundenbedekt, von seinen Sklaven in die Versammlung derBürger gebracht wurde. Hier klagte er den Senat unddie übrigen Häupter der Partheien an, daß sie ihn zuermorden versucht hätten; zum Beweise zeigte er dieWunden, die er, um seinen Zwek zu erreichen, sich selbstbeigebracht hatte. »Sehet, rief er den Bürgern zu, denLohn meiner Liebe zu eurer Freiheit, und den Lohn desEifers in Vertheidigung eurer Rechte!e Bestürzungund Flucht der vornehmsten Bürger war die unmittelbareFolge dieses Betruges; vergeblich suchte Solon, empörtüber diese Verblendung, die Täuschung des Volkes zuzernichten, und den Muth der bessern Bürger zu erhe-ben; er, der fast achtzigjährige Greis, rief das Volk zuden Waffen gegen den Unterdrücker; seine Stimme wardnicht gehört von dem betrogenen Volke, das jezt demPisistratus eine Schaar bewaffneter Krieger bewilligte,Das war das Zieldie für sein Leben wachen sollte.seiner Wünsche. Er bemächtigte sich der Burg vonAthen, die Zahl seiner Anhänger mehrte sich täglichdurch Freigebigkeit, er entwaffnete das Volk und eig-nete sich die höchste Gewalt zu.Solon überlebte den Verlust der Freiheit seinesVaterlandes nicht lange. Er starb, bewundert undbedauert von ganz Griechenland, im achtzigsten Jahreseines Alters. Seine Geseze sind das schönste Denk-mal seines Lebens. Er besas einen großen Vorrathvon Kenntnissen; Cicero leitet von ihm den Ursprungder Redekunst in Athen ab, und Plato preiset seinTalent für die Dichtkunst.Pisi⸗
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