Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen
 

Vierter Abschnitt.39zog, verbanden sich mit seinem Heere viele Lacedämo-nier, die der Tyranney ihrer Regierung müde, lieberunter den Fahnen der Feinde fallen, als in den Rei-hen ihrer Unterdrücker kämpfen wollten. Die Schlachtbey Leuctra stürzte endlich die Oberherrschaft der Spar-ter in Griechenland, nachdem sie mehrere Jahrhundertegedauert hatte.Sparta hatte in der langen Periode seiner Blü-the keinen Geschichtschreiber, keinen Redner, keinenDichter. Was wir von seiner Geschichte wissen, ver-danken wir Ausländern. Die Redekunst war verbanntunter einem Volke, das nur die rohen Beschäftigungendes Krieges lernte und übte, und die Ephoren strafteneinst einen jungen Mann, der sich im Ausland mitder Erlernung dieser Kunst beschäftigt hatte, weil erdie Absicht habe, seine Mitbürger zu betrügen. Vonder Feldmeßkunst, der Sternkunde und andern Wissen-schaften fand man keine Spur bey ihnen; Schauspie-le waren blos auf körperliche Uebungen beschränkt;Lust= und Trauerspiele durften bey ihnen nicht aufge-führt werden. Wenn auch einige Sparter sich durchkurzen und erschöpfenden Vortrag auszeichneten, oderandere sich an den Werken Homers, Terpanders oderAlcaus ergözten, so waren doch diese Künste selbst vonder Regierung nicht begünstigt. Sie duldeten untersich weder Baumeister, noch Maler oder Bildhauer; ihreHäuser waren aus rohen Materialien, ohne Kunst undZierlichkeit zusammengesezt, mehr Schutz gegen Witte-rung als froher Aufenthalt. Sie liebten zwar die Musik,aber nicht jene, die sanfte Gefühle in dem Herz des Men-schen wekt und nährt, sondern jene, die zu Schlachtenermuntert. Einem Saitenspieler, der seine Lieder inSparta ſang, wurden drey Saiten ſeiner Leyer auf Be-fehl der Ephoren abgeschnitten, weil ihnen sein Spiel zukünſtlich ſchien.Eine