1, in zu
Vierter Abschnitt.27ein ganzes Volk sich nach Gesezen umwandeln, die je-des sinnliche Vergnügen verbannen, jede Leidenschaft zü-geln, und alle Freuden und Bequemlichkeiten des Le-bens dem Wohl des Staates unterordnen. So großdie Idee war, solche Geseze zu entwerfen, und an dieMöglichkeit des Erfolges zu glauben, so viel Muthund Klugheit ward erfordert, sie einem stürmischenVolke anzutragen und es zur Annahme derselben zustimmen.Zuerst ward die Regierungsform neu eingerichtet.Die erbliche Würde der Könige (nach alter Sitte warenin Sparta zwey Könige) ward bestätigt, aber die Will-kühr derselben ward beschränkt, und die regierendeFamilie konnte sich vielleicht gerne einer Maasregelhingeben, die ihr Daseyn wirklich rettete. In ganzGriechenland hatte die Willkühr den Sturz der Kö-nigswürde veranlaßt, in Sparta allein konnte sie nurdurch Beschränkung erhalten werden. Gehorsam lagdem Volke als erste Pflicht ob, aber diese Pflicht for-derte das Gesez, nicht der Wille des Königs.Lykurg bildete aus acht und zwanzig Mitgliedern,die aus den vornehmsten Stämmen von Laconien ge-wählt waren, einen Rath, mit dem er genau die Mit-tel erwog, den politischen Uneinigkeiten so zu steuern,daß daraus weder Tyranney der Könige, noch Ueber-muth der Volksherrschaft entstünde. Die Rechte derEdlen wurden festgesezt, und aus ihnen ein Senat er-richtet, welcher alle Regierungsgegenstände untersuchte,ehe sie der Versammlung des Volkes vorgetragen wur-den. Die Könige hatten den Vorsiz im Senate. IhreWürde war erblich, aber es wurde ein Alter von ſech-zig Jahren erfordert, um in den Senat aufgenommenzu werden. Diese Versammlung war der oberste Ge-richtshof in dem Staate, und seine Urtheile wurdengewöhnlich von dem Volke beſtätigt, das in die Weis-heit