Geschichte der Griechen,20das der Glaube an Vorhersagung künftiger Ereignisseüberall gewährt, zur Täuschung des Volkes. Sie ver-kündete unter dem Schatten einer alten Eiche, nahebei Dodona in Epirus, die Begebenheiten der Zukunft,und bald erhob sich durch die Freigebigkeit der aber-gläubigen Wallfahrter ein prächtiger Tempel. Dieswar das erste bekannte Orakel in Griechenland. Baldentstanden deren mehrere, die zwar nicht gleiches Zu-trauen unter dem Volke erhielten, aber doch alle einsehr einträgliches Gewerbe für die Priester wurden,die im Namen der Gottheit die Neugierde der Frem-den gewöhnlich in doppelsinnigen Antworten befriedig-ten oder täuschten. Das berühmteste dieser Orakelwar jedoch das zu Delphi, das dem Apollo geweihtwar. Aus den Spalten eines Felsen am Abhang desBerges Parnassus drangen betäubende Dämpfe hervor,die, zuerst durch Ziegenhirten entdeckt, für den Aber-glauben benüzt wurden. Hier ward der Dreifuß er-richtet. Die Pythia oder die Verkünderin des Ora-kels ward gewöhnlich aus der niedrigsten Klasse desVolkes von den Priestern gewählt, sie mußte überfünfzig Jahre alt seyn. Man sezte sie mit Gewaltauf den Dreifuß; die aus den Felsenritzen empor stei-genden Dünste brachten die Priesterin bald in eineArt von Wahnsinn, in dem sie unverständliche Worteausstieß, die von den Priestern geordnet und den Fra-genden zugestellt wurden. Wer das Orakel fragte,mußte beträchtliche Opfer darbringen. Dadurch ent-stand ein Tempel verziert mit dem Reichthume und mitden vorzüglichsten Kunstwerken Griechenlands und selbstbarbarischer Völker. Der Tempel und dessen Vorhöfewaren mit vielen Tausenden von Bildsäulen, zum Theilaus gediegenem Golde und Silber gegossen, geschmückt;das Städtchen Delphi selbst war der Siz der Freude;Feste wechselten mit Festen, und die Heiligkeit desOrtes, dessen Bewohner ohne Ausnahme Priester desApol-
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