Ich holte nicht bloß für uns das Brot. Nein, gleich fürsganze Haus — auf'n kleinen Wagen. Und gab's im Ratten-haus nicht genug Brot, dann gingen wir über den Steg nachder andern Kaserne. Da war immer Bedarf nach Bargeld . . ."
„Mit zehn Jahren habe ich Fremde geführt. Damals kannteman die Provinzler noch viel leichter 'raus. Wenn man indie Nähe vom Schloß kam — namentlich um die Mittags-stunde, wenn die Wachtparade aufgezogen war —, dann stan-den sie in Reihen und Gruppen auf der Schloßbrücke undbei der Schloßfreiheit. Und dann führte ich die Leute beiden Museen vorbei — auf die Lange Brücke zum alten Kur-fürsten, bei Budolph Hertzog vorbei, der ja damals mit seinemGeschäft das größte Warenhaus in Berlin war, zum Bathausund zum Molkenmarkt, wo noch das Polizeipräsidium standund die Almas und Bosas zur Kontrolle in das Tor rein-stolzierten — immer in der feinsten Kluft, mit so 'nemCul de Paris ..."
(Eine Handbewegung um die hintere Hüftenseite deutetedie aufgebauschte Mode jener Zeit an.)
„Und zum Schluß wollten die Herrschaften denn auchmeist 'ne richtige Berliner Weißbierkneipe kennenlernen.Dann führte ich sie zum Landre in der Stralauer Straße.Wenn sie nicht von selbst wollten, dann sagte ich eben, daßsie das doch kennengelernt haben müßten.
Das Weißbier war den Fremden aber meist zu sauer. Dannhabe ich's ausgetrunken!
Man wird nämlich durstig, wenn man bei der Hitze durchdie Straßen läuft. Und damals, als noch so viel Pferdefuhr-werke unterwegs waren und viel mehr Leute durch das Zen-trum liefen — die Straßen zwischen den Linden und demMolkenmarkt waren dichte voll — da war's noch stoobig inBerlin."
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