Aus Zilles Lehrzeit.
Selten erkennen die Eltern die Eigenarten ihrer begabtenKinder. Viele sehen ihre Sprößlinge als Wunderkinderan und verhimmeln sie — um später zu erfahren, daß die„Wunder" nichts weiter als ein Echo, ein Abklatsch vonirgendwelchen Dingen der Umgebung der Kinder waren undjede Eigenart, jedes eigene Können fehlt. Das Wunderfällt ab. Das Kind bleibt. Wenn solche Wunderkinderhinaus kommen in die Welt, platzt ihr Genie wie eineSeifenblase. Sie sind die unglücklichsten Wesen auf derWelt, besitzen oft nicht die geringsten Elementarkenntnisse.Die Eltern sagten einst: „Unser Junge kann schon alles!Von wem soll der noch was lernen . . ."
Und nun kann er gar nichts. —
Darum war es bei Zille vielleicht sehr gut, daß man ihnnicht zu Hause verhimmelte, trotzdem er schon bei seinemalten Zeichenlehrer Spanner in der Mansarde in der Kraut-straße recht gute Fortschritte gemacht hatte. (Siehe Kapitel„Zille als Künstler".)
Er sollte, vierzehn Jahre alt, zu einem Schlächter in dieLehre. Ja, er führte sogar einmal einen Hammel an derLeine in die Linienstraße und legte ihn auf den Block.Aber er konnte das Tierabschlachten nicht mitmachen. —Er, der jeden frechen kleinen Spatz füttert und der voneiner ganzen Schar hungriger Sperlinge gequält wird, wenner ihnen nicht zur rechten Zeit Futter streut! —
In der ärmlichen Dachstube in der Blumenstraße hatteihm der alte Spanner immer wiederholt:
„Wenn du Lithograph wirst, sitzt du gut angezogen mit
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