Zille-Studien und -Akte.
Wer dieses Kapitel aufmerksam durchblättert, wird einenganz unbekannten, einen neuen Zille kennenlernen. DenZille, der nicht nur der Meister des Milljöhs war, sondernder wirklich meisterhafte Akte und Studien jeder Art ge-liefert hat.
Manche seiner Frauenakte sind von glänzender klassi-scher Form. Verraten, daß er nicht umsonst in der BerlinerAkademie in der Schule gewesen ist, die einst Schadow leitete.
Hier ist er weit mehr als nur Heimatkünstler.
Wer diese Blätter aufmerksam betrachtet und wertet,muß bekennen, daß in Zille unter allen Umständen eingroßer Künstler gesteckt hat, daß ihn nicht nur das künst-lerische Interesse für die derbe Volkstümlichkeit zum Künst-ler gemacht hat.
Aber aus diesen Studien — die wie fertige Werke wirken— spricht auch nicht nur die Kraft der Schule, der Akademie,in der er sich künstlerisch übte. Aus diesen Blättern sprichtdie eigene Kraft, das eigene Können, das persönliche Künst-lertum. Das ist keine reine Schülerware. Das ist mehr alsnur erlerntes Können. Das bekommt niemand nur vomLernen fertig oder „mit Gewalt", wie Zille immer beschei-den meint. (Siehe Kapitel: „Zille als Künstler".)
Dazu gehört ursprünglich Begabung.
Nicht nur diese Begabung brachte Zille mit auf die Welt.Er brachte seine besondere Persönlichkeit mit. Wer dieseStudien — und auch viele andere in diesem Buch — be-trachtet, erkennt fast überall die besondere Hand desMeisters.
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