Zille-Witze.
In diesem ganzen Buch sind ja Zillewitze enthalten. Hierkann nur noch das Wesen und die Art der Zillewitze erläutertund eine kleine Nachlese gehalten werden.
Das Wesen der Zillewitze ist eine unerhörte Treffsicherheit.Sie haben Natürlichkeit und Lebendigkeit, was nicht vonallen Witzen zu sagen ist. Sie sind eben nicht erdacht. Siesind erlebt. Sie bringen immer ein Stück Leben.
An anderer Stelle habe ich schon einmal gesagt, daß Zilleein Heimatskünstler ist. Er ist es wirklich in dem Sinne, \.daß er aus dem Menschentum um sich herum seine Motiveschöpfte und daß er verstand, sie ganz unverfälscht, unpoliertund mit aller Deutlichkeit wiederzugeben.
Seine Blätter, seine Zeichnungen und Unterschriften wur-den immer als Witze über die Schichten, über einzelne Volks-gruppen genommen. Sie sind es aber nicht immer.
Zille, der zweifellos von einem inneren Weltverbesserer- |gefühl getrieben wurde, konnte in seiner Art nicht als freierKünstler leben, mußte entweder in einem praktischen Beruftätig sein — was er bis zu seinem fünfzigsten Lebensjahrauch tat — oder er mußte Platz in den Witzblättern suchen.Nur in denen wurden seine Gestalten, sein „Milljöh", seine„Kinder der Straße", seine Darstellungen „Aus Alt- undNeu-Berlin" geduldet. Daß er diese Bühne fand, auf der erin die Öffentlichkeit treten konnte, war ein großes Glück fürihn und für uns, seine Leser und Verehrer. So fand er einbreites Publikum — und das Publikum fand ihn. Wer hättesich sonst wohl Originale von Zille erwerben können?
27 Oatwald, Das Zülebuoh.
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