Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
258
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2Z8

Tabu

Taci

I

Taci

Tabulatur, bedeutete bei den Mcistersängern den Inbe-griff der Regeln und Gesetze, nach welchen sie ihre Ge-sänge verfertigten und absangen; dann Regelmäßigkeitund Ordnung überhaupt. So in der R. a. nach derTabulatm: etwas verrichten. In der Tonkunst bedeutetdieses Wort die Bezeichnung der Töne durch Buchstabenund Ziffern, statt der sonst gewöhnlichen Tonzeichen odersogenannten Stolen. Man bedient sich dieser Vezcich-nungsart noch zuweilen in Büchern, wenn man nichtweiß, ob die gewöhnlichen Tonzeichen in der Druckereivorräthig sind.

Tabulettkramer, ein wandernder Handelsmann, der sei-nen kleinen Kram in einem Kasten tragt. Ich hatte Ka-stenkramcr dafür angesetzt; allein dagegen wurde mitRecht eingewandt, daß das eher einen mit Kasten han-delnden Krämer bezeichnen würde. Es bedurfte auch kei-ner neuen Verdeutschung jenes Worts- weil wir in derVolkssprache schon die beiden Ausdrücke, Buttentragerund Resstrager dafür hatten. In der Terminologie fürdie Handlung. Lcipz. 1792, wird gesagt:das frem-de Wort komme vermuthlich oon Tablette, dieSchrcib-tafel, her, weil diese ehedem der vornehmste Handel sol-cher Krämer gewesen sei." Das ist aber ein Irrthum.Es stammt vielmehr von dem mittlern Lat. Tabuleta,ein Tischchen, ab, weil das Kästchen, worin derglei-chen Handelsleute ihren Kram am Halse tragen, einemkleinen Tische gleicht. Auch lautet das Wort nicht Tab-lettkrämcr (wie es dort geschrieben ist), sondern Tabu-lettkramer.

Tachygraph, der Schnellschrciber.

Tachygraphie, die Schuellschreibekunsi.

Tachypyi'io soll vielleicht heißen Tachypyrium, eingeschwindes Feuerzeug, d. i. ein Feuerzeug, wodurchman in größter Geschwindigkeit eine Flamme zum Licht-anzünden, zum Siegeln u. s. f. durch Brennluft hervor-bringen kann.

Tacite, stillschweigend.

Taciturne (spr. taßitürn). Wir hatten bisjetzt kein Wortin unserer Sprache, welches diesem Französischen ant-wortete; denn schweigend druckt nur den gegenwärti-gen Zustand des Schweigens, nicht die Gewohnheitwenig oder gar nicht zu reden, nicht die Neigung dazuaus. Dieser Begriff liegt aber in dem FranzösischenWorte. Das Gegentheil, nämlich die Neigung und Fer-tigkeit viel, oder mehr als nöthig wäre, zu reden, nen-nen wir redselig; ich fragte daher in der Prcisschrift:sollten wir nicht nach der Aehnlichkeit dieses Wortes fürdie entgegengesetzte Eigenschaft schweigselig bilden dür-fen ? Daß die ursprüngliche Bedeutung des Worts se-lig, vermöge welcher es reich oder mit einer Men-ge von Dingen gewisser Art versehen, ausdruckte, mitder jetzt üblichen neuern Bedeutung (sehr glücklich) inschweigselig, wie in redselig, zusammenfließt, ist eine

CiNpsehlung mehr für dieses Wort, weil es sonach ei-nen Menschen bezeichnet, der viel oder oft schweigt, undim Schweigen Vergnügen findet, oder durch Schwei-gen beseliget wird. Esch^enburg urtheilte über die-sen Vorschlag folgendermaßen:Schweigselig ist fürdie Aussprache etwas unbehülflich, sonst aber sehr rich-tig gebildet. Das einzige möchte dawider sein, daß se-lig den Begriff von Reichthum erwecken soll, und derRedselige allerdings auch reich an Worten., der gernSchweigende aber vielmehr arm an Gedanken ist. Undschwelgen selbst ist ein verneinender Begriff." Auf die-sen Einwarf antworte ich: 1. daß selig nicht geradeReichthum, sondern überhaupt nur Vielheit bezeichnet;2. daß es daher auch mit verneinenden Begriffen, z. B.mit arm, in armselig, zusammengesetzt wird, und als-dann nur die Stelle des verstärkenden Ncbenworts sehrvertritt; und endlich Z. daß das Schweigen keincswe-ges immer aus Armuth an Gedanken, sondern oft auSdem Gegentheile, aus Tiessinn oder Reichthum an Ge-danken entsteht, die der Schweigende mitzutheilen ver-schmäht, weil er weiß, daß man sie doch nicht fassenwürde. So wie nun armselig nur so viel als sehr arm,saumselig nur sehr säumend, trübselig und mühselignur sehr trübe und sehr mühsam ausdrucken: so mußauch schweigselig nur den sehr Schweigenden oder den-jenigen bezeichnen, der viel oder oft schweigt, und,vermöge des dunkeln Nebenbcgriffs, den die neuere Be-deutung von selig erweckt, im Schweigen Vergnügenfindet oder durch Schweigen beseliget wird. Eschen-burg erinnerte auch noch, daß wir für taciturne inder Umgangssprache auch das Wort still, ein stillerMensch; ferner verschlossen, und im N. D. auch ge-schwichtig und sachtsinnig hätten. Allein still und fchwich-tig können das fremde taciturne deswegen wol nichtganz ersetzen, weil dieses nicht bloß einem Schweigen-den überhaupt, sondern einen gern Schweigenden, ei-nen der nicht redet, weil er nicht reden will, ob ergleich reden könnte, bezeichnet. Durch sachtsinnig wirddieser Nebenbegriff wirklich mit angeregt, und diesesscheint daher für taciturne allerdings zu passen. Ver-schlossen hingegen deutet bloß auf Verschwiegenheit inAnsehung gewisser bestimmter Gedanken und Empfin-dungen, die man aus Klugheit verbergen will, wobeiman aber in Bezug auf andere Gegenstände, die mannicht Urse^he hat geheim zu halten, oft um so viel wort-reicher und redseliger zu sein pflegt, damit die Aufmerk-samkeit von dem, was man zu verbergen sucht,"abge-lenket werde. Petersen (in Darmstadt) fragte beiGelegenheit des von mir gebildeten schweigselig:Soll-te nicht das kürzere und minder übelklingende schweig-sam und Schweigsamkeit vorzuschlagen sein?" UndAffsprung:Warum nicht lieber schweighaft, wieschwatzhaft und plauderhaft?" Ich habe gegen dieseAusdrücke, welche beide sprach-ahnlich gebildet sind,

nichts