Preis
»77
Gute Namen gerne ahnen, d. i. Conveniunt rebussaepe nomina suis , am besten hicher rechnen." Ichbin (in dem Nachtrage) noch einen Schritt weiter ge-gangen, und habe die Vermuthung geäußert, daß unserjetziges ahnen, in der Bedeutung etwas künftiges vor-herempfindcn, das nämliche Zeitwort nur in etwas ab-geänderter, stgürlichcr Bedeutung sei. Es wurde viel-leicht anfangs nur von solchen Vorempfindungcn ge-braucht, wobei man von einem ähnlichen Falle auf denandern, oder von ähnlichen Ursachen auf ähnliche Wir-kungen schloß. Mir ahnet (kommt an oder vor), sagteman, daß mir dieses oder jenes bevorsteht, weil mireben so zu Muthe ist, als damahls, da mir etwas ähn-liches widerfuhr. Daraus würde denn auch begreiffichsein, warum wir dieses Zeitwort unpersönlich gebrau-chen. Mir ahnet hieße nämlich nichts anders, als: eskommt mir an oder vor, mir schwebt als ähnlich vor.Schon Frisch hat diese.Vermuthung geäußert. „Es„ahnet mir, sagt er, d. j. es kommt mir nah, es istmir vor Augen, als wenn es schon da wäre, oder baldda sein würde; wie von nah, nahen, von bel(olim),Heien - von außen, äußern." Auch v. St ade in seigerErklärung der vornehmsten Deutschen Wörter u. s. w.hält ahnen und ähnlich für verwandt: „daher (nämlichvon ähnlich), sagt er, ist auch Deutsch anen, wanneinem etwas vorkommt, das hernach eintrifft." Wennwir nun, wie ich wünsche, künftig ahnen und ahndenUnterscheiden werden: so werden wir auch einer davongemachten Ableitung, die Withof und Klopstockganz verschieden gebrauchen, ihre bestimmte Bedeutunganweisen können. Dis ist das BcschaffenheikSwort, ahn-dungsfrei, welches der erste für frei von Strafen:Beherrscht nur etwa Gott das ahndungsfreiste
Reich,"
der letzte hingegen für frei von Ahnungen, ruhig, ge-braucht hat. Nach der von mir empfohlenen Unterschei-dung müßten wir bei diesem ahnungsfrei, bei jencntaber ahndungsfrei lesen. Seitdem ich diesen Vorschlagin dem Nachtrage gethan habe, ist derselbe von ver-schiedenen vortrefflichen Schriftstellern angenommen wor-den. Vo ß hat beide Wörter ahnen und ahnden, jedesin seinem eigenthümlichen Sinne genommen, in einerund ebenderselben von ihm übersetzten Idylle des Theo-krits gebraucht:
Samt dem schiffenden Volk, das gleich zu verge-hen geahnet.
— Und die anderen Helden,
Die einst Troja verödet, zu ahnden die Schmach
Mcnclaos.
So Bürger:
Ma foi! das ahnte mir.
So Kling er: „Jene ahnete schon die künftigen rei-nen Genüsse." Auch Wie!and hat in der neuesten2. Band.
PreS
Ausgabe seiner Schriften in verschiedenen Stellen die-sen Unterschied beobachtet, z. B. in Musarion:„nichts ahnend;" in andern aber ihn vernachlässiget.Ich bemerke hicbei gegen Ad.'s Behauptung: daß ah-nen nur dic N. D. nachlässige Aussprache des £>, D.ahnden sei, daß einige dieser Schriftsteller keine Nieder-deutsche sind. — Auch Herder hat in seinem neuestenWerke (der Melacritic) den Unterschied zwischen ahnenund ahnden anerkannt und empfohlen; nur daß er inder Heileitung des ersten, nicht bis zu dem Rcdclhei-lichcn an, sondern nur bis zu Ahn , der Vorfahr, wel-ches aber nach Wächter'» selbst ein Abkömmling vonjenem ist, hinaufsteiget; „Ahnen ist, wie erkennen, einGeschlechtswort. Es hieß anfangen, anheben, ein Ge-schlecht ansangen, gebühren. (Mir scheint die erste Be-deutung deßelbrn ankommen gewesen zu sein). DaherAhnen (Voifahrcn) Ahnherr, Ahnfrau, ähnlich. Achn-lich ist, in dem ich das Bild der Abkunft, der Ahnen,wiederfinde. (Richtiger, was an-kommt, sich der Ge-stalt, der Form, dem Wesen eines andern nähert). Soahne ich in der Wirkung die Ursache, in der Ursachedie Wirkung, im Jetzt den Abstamm aus der Vergan-genheit, die Zukunft. (In allen diesen Fallen kommtoder tritt an meiner Vorstellung das eine Ding an dasandere, oder ich bringe in meiner Vorstellung das einean das andere, beide in Verbindung). Sehe ich dieVerknüpfung deutlich, so erkenne ich, was ich geahnethabe; der Traum des Aehnlichcn oder Fortwirkendenwird zur Wahrheit. Ganz ein anderes ists mit deinWorte ahnden, d. i. rächen, strafen. Db diesem Un-terschiede in der critischen Anthropologie gleich wider-sprochen worden , so besteht er doch, und ist erweislich."Wir haben auch schwanen (mir schwankt) für diesen Be-griff, welches nicht bloß in den gemeinen Sprech-arten,wie Ad. behauptet, sondern auch in der guten leichtenSchriftsprache üblich ist. S. Beitrage z. weit. Ausb. d.Deutsch. Sprache I. 196. „So fast nichts gutes schwa-nen lassen dürfte." Leibnitz. Sowol die wahrschein-liche Abstammung von Wahn, als auch der Klang desWorts, der wegen der Achnlichkeit mir schweben undschwinden, an das Ungewisse, vielleicht Täuschende derVorstellung erinnert, scheinen dieses Wort würdig zumachen, noch mehr in Umlauf zu kommen. Anton vcr-ficherk, daß es in der D. Lausitz, und Affsprung,daß es auch in Schwaben ganz gebräuchlich sei. Es istalso nicht (wie Ad. behauptet) dem N. D. besonderseigen.
Presssnt, dringend, eilig.
Pressiren, drängen, drücken, treiben. Pressirt fein, ge-drängt oder eilig fein, keine Zeit zu verlieren haben.
Presumptuös, Franz, presomplueux und presom-ptueusement, anmaßend und anmaßlich, eitel, ver-messen. Anmaßlich hat Ad. besternt, und es denKan-zcleien zugftprochen; ohne Grund, wie es Mir scheint.Z Es