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2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
152
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Perf

Peri

152 Perl

Dis letzte billige ich zwar nicht, weil die Harte in Ver-vollkommnung mir nicht groß genug zu sein scheint,um das Wegwerfen des n zu rechtfertigen; allein dasRecht zu Wegwerfuugcn dieser Art, welches der allge-meine Sprachgebrauch uns einmahl eingeräumt hat,glaube ich doch für solche Fälle, wo die NothwendigkeitGebrauch davon zu machen zwingt, uns vorbehalten zumüssen. Auch Ramler schien dieses Recht anzucrken- nett. S. Perfectioniren. Wer indeß das Wort Ver-vollkommlichkeit dennoch anstößig findet, der wird fichbequemen müssen, entweder Vervollkommnungsfahig-keit (welches noch um zwei Silben länger ist) zu sagen ,oder zu der Umschreibung: Fähigkeit vollkommner zuwerden, seine Zuflucht zunehmen, Bildsamkeit, wel-ches Gerst»er (ein Sprachforscher in Schwaben) ineinigen mir mitgetheilten handschriftlichen Bemerkungendafür angibt, kann zwar wol zuweilen, aber nicht im-mer dafür gesetzt werden, weil es nicht sowol dem Wor-te PerfectibiJität, als dem Ausdrucke Lultürfahigkeitantwortet.

Pe-rfection, die Vollkommenheit.

Perfectioniren, vervollkommnen. Ad. behauptet zwar,daß dieser (imD. D. schon lange gebräuchliche) Aus-druck nur von einigen witzigen Schriftstellern im Hoch-deutschen versucht.worden sei, aber wenig Beifall gefun-den habe; allein nicht bloß solche, sondern auch philo-sophische Schriftsteller, haben, seiner Härte ungeachtet,ihn anzunehmen fich nicht enthalten können, weil wir(die Umschreibung vollkommner machen ausgenommen)keinen andern an seine Stelle zu setzen haben. Jetzt, daer von so vielen Schriftstellern in Werken aller Art sounzähligemahl gebraucht worden ist, darf der Verfassereines Wörterbuchs sich nicht mehr weigern, ihn für ein-,gebürgert zu halten. Kinderling, der dis Wortgleichfalls zu den unnöthigen Neuerungen rechnet, hältes deswegen für entbehrlich, weil es nichts anders sa-ge, als verbessern. Allein verbessern deutet auf Fehler,welche fortgeschafft werden, vervollkommnen hingegennur auf die Verleihung oder Annahme eines höhcrn Gra-des von Vollkommenheit. Etwas fehlerhaftes wird ver-bessert ; etwas noch nicht ganz vollkommenes wird ver-vollkommnet. Beide sagen also nicht einerlei. Ramlerhat sich über das von vollkommen abzuleitende Zeit-wort folgendermaßen erklärt:Will man vollkommenzu einem Zeitworte und zu einem Nennworte in ungumbilden, so scheint es, daß man es wie bei verfei-nern und verkleinern machen und sagen müßte: vcr-vollkommenern und Vcrvollkommenerung. Weil aberbeide Wörter zu schleppend sein würden, »nd wir in un-serer Sprache den Voeal (Grundlnut) e sehr oft unter-drücken : so könnten wir ohne Bedenken vervollkomm-nrrn und Vervollkommnerung sagen. Allein der Wohl-klang hat hier abermahls über die Sprachrichtigkeit ge-siegt, und man hat bereits vervollkommnen und Ver-

vollkommnung zu schreiben angefangen, ob wir gleichkein Zeitwort haben, das kommnen oder vollrommnenheißt. Man hat diese bequemen Wörter aufgutcu Glau-ben einiger berühmten Verfasser angenommen, und wirdsie vern'iuihlich nicht wieder verstoßen wollen." Ueberdie Bildung der D. Nennwörter.

Perfectioniruug, die Vervollkommnung. Moritz undandere haben zwar die Härte des Worts dadurch zu mil-dern gesucht, daß sie, mit Wegwerfung des n, Ver-vollkommung sagten: allein diese Freiheit scheint nichtdurch Noth gerechtfertigt zu sein, weil Vervollkomm-nung, in Vergleichung mit vielen andern Deutschen Wör-tern, noch ziemlich leicht über die Zunge geht. DhneNoth aber einen Buchstaben des Stammworts (vervoll-kommnen) in Ableitungen zu unterdrücken, sind wir nichtberechtiget.

Persectum , eigentlich das Vollkommene oder Vollen-dete überhaupt. Allein in der Sprachlehre wird die völ-lig vergangene Zeit darunter verstanden.

Perücke.Sie (die Franz. Sprache) ist eine perfideSprache. Ich finde, Gott sei Dank! kein DeutschesWort, um perfid in seinem ganzen Umfange auszu-drucken. Treulos ist ein unschuldiges Kind dagegen.Perfid ist treulos mit Genuß, mit Uebermuth, mitSchadenfreude." Göthe. Aber wir haben ja auchfalsch und arglistig, an welche diese Nebenbegnsse ebenso leicht, als an perfide, gehängt werden können.

Perge, fahre fort!

Perhorresciren, in der Rcchtssprache, verwerfen, z. B.einen Richter oder einen Zeugen. Daher die Perhor-rescenz , das rechtliche Verwerfen, oder eine solcheVerwerfung.

Perhorriren, verabscheuen.

Periclitiren, Gefahr laufen.

Pericopen, ^Abschnitte. Man versteht aber darunter ins-besondere solche Abschnitte auS den Evangelien und Epi-steln, welche bestimmt find, bei den öffentlichen Gottes-vcrehrungcn vorgelesen und erklärt zu werden.

Pericranium, die äußere Schedelhaut.

Peficulös, gefährlich.

Periculum in mora, der Verzug ist mit Gefahr ver-bunden; es ist gefährlich zu zaudern; es ist dringendeGefahr.

Perimeter, der Umfang. , .

Per indirectum , durch Umweg, durch Umschweife,durch einen Dritten.

Periode, i.in der Geschichte, der Zeitraum; 2. in derSternkunde und im gemeinen Leben, der Kreislauf;Z. in der Redekunst, bald in allgemeiner Bedeutung,ein jeder Theil der Rede oder jeder Satz, der einenvollständigen Sinn enthält, bald in bestimmterer Be-deutung, ein erweiterter, durch Vorder- und Nachsatzgeründeter Satz. In der ersten Bedeutung genommen(wo man auch einfache Perioden, ohne Vorder- und

Nachsatz,