Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Nasa

Nati

"3

Nap<$

durch Ausdrücke, welche mehr zu erkennen geben,als die ausdruckende Person selbst dabeiempfunden oder gedacht hat, oder empfun-den und gedacht zu haben scheint.

Ein Wort, welches diesen sehr zusammengesetzten Be-griff nach allen seinen Theilen bezeichnete, gibt es inunserer Sprache nicht: kann es auch in keiner Sprachegeben; weil es geradezu unmöglich ist, so viele Zeichen,als dazu erfodert würden, in einem einzigen Worte zuvereinigen, ohne dasselbe aus so vielen einzelnen Wör-tern zusammenzusetzen, daß keine menschliche Zunge esin Einem Athem auszusprechen in Stande sein würde.Allein es fehlt uns nicht an Ausdrücken, wodurch dereine oder der andere wesentliche Theil dieses zusammen-geseHteu Begriffs bezeichnet wird- und bei dem wir dieübrigen, wenn gleich nicht ausdrücklich mit bezeichne-ten Theile desselben leicht hinzudenken können, oder viel-mehr hinzuzudenken schon gewohnt sind; nur daß der ei-ne Ausdruck besser für diesen, der andere besser für je-nen Fall, keiner für alle paßt. Dergleichen Ausdrückesind: natürlich und Natürlichkeit, treuherzig und Treu-herzigkeit, offen oder offenherzig und Offenheit oderOffenherzigkeit, unschuldig und Unschuld, einfältigund Einfalt mit den Beiwörtern natürlich, liebenswür-dig und edel, endlich, und zwar vornehmlich, unbe-fangen und Unbefangenheit. Diese letzten beiden Aus-drücke sind unter allen die allgemeinsten, und scheinenwirklich dazu geeignet zu sein,. uns die fremden Wör-ter naiv und Naivete in jedem Falle ersetzen zu kön-nen. Unbefangen heißt, was frei oder rein (uneinge-nommen) von Vorurtheilen, Rücksichten und Leidenschaf-ten ist; es deutet also ganz bestimmt auf natürliche Un-schuld, Einfalt und Offenheit, folglich auf das Wesendessen, was wir bei naiv und Naivere zu denken ge-wohnt sind. Besangen wird, wie Ad. bemerkt, in ei-nigen Gegenden auch für bebrütet, also unbefangenfür unbebrütct gesagt. Diese landschaftliche Bedeutungdes Worts paßt sehr gut zu der allgemeinem, in wel-cher es für naiv genommen werden kann. Ein unbe-fangenes Ei ist rein, ist noch in seinem ursprünglichennatürlichen Zustande; und so ist auch der unbefangeneMensch noch in aller Natürlichkeit einer reinen, durchWcltton, Weltlaster und übereinkünftliche Vorurtheileund Rücksichten noch nicht verderbten, noch nicht zurVerstellung und Heuchelei gewöhnten Seele. Naiv istaus dem Lat. nativus entstanden, und dieses bezeich-net das Angcbohrne oder Natürliche, im Gegensatze desErlernten oder Erkünstelten.

Napee, in der Fabcllehre, eine Berg- oder Waldgöt-tinn, eine Berg- oder Waldnimfe.

Narkotisch, einschläfernd, schlafwirkend. Ein narco-tisches Mittel, ein Schlaf« oder Einschlaserungs-mittel.

Nasal-laut, Nasal-buchstabe, ein durch die Nase tönen.

der Laut oder Buchstabe, ein Nasen-laut, ein Nasen-buchstabe. Wir haben aber auch ein Zeitwort näseln,durch die Nase sprechen; und können daher auch ent-weder ein näselnder Laut oder ein genäseltcr sagen.Ad., der dieses Zeitwort nur nebenher, unter Nase,erwähnt, kennt es nur als einen Jacht-ausdruck, für:die Fahrte beschnuppern, ohne ernstlich zu suchen. Al-lein Klopstock hat es (in den Gram. Gesprächen)in der von mir jetzt angegebenen Bedeutung, und zwarals ein Thatzcitwort, gebraucht:Der Franzose näseltmich," sagt der Buchstabe N.

Nation, das Volk, die Völkerschaft. Weil Volk zwei-deutig ist, indem es auch die große Menge (le peu-ple) oder die untersten Volksklassen bezeichnet: so wärewol zu wünschen, daß der Versuch, den ich gemachthabe, Völkerschaft für Nation ausschließlich zu gebrau-chen, gebilliget würde. Dann könnten wir auch eine,mehre Völker unter sich begreifende Völkerschaft, be-stimmter angeben. Beim Nachschlagen finde ich, daß ichnicht der erste gewesen bin, der diese Unterscheidung inVorschlag gebracht hat:Ehe das Wort Nation ausdem Latein, entlehnt wurde, gebrauchte man Volk fürNation, in welchem Verstände es auch von alten Na-tionen üblich ist. Wegen der Vieldeutigkeit diesesWorts aber hat man es in dieser Bedeutung großen-kheils verlassen, und Völkerschaft für Nation einzu-führen gesucht, welches Wort auch bereits Beifall ge-, funden (hat)." Adelun g unter Nation. Ich füge nochhinzu, daß die Unterscheidung zwischen Volk und Völ-kerschaft, bei allem Anschein von Willkührlichkeit, dochauf einer Aehnlichkeitsregel unserer Sprache beruht.Ramler hat (in der Abhandl. über die Bildung derNennwörter) gezeigt, daß die Endsilbe schaftvon schaf-fen, und zwar in der doppelten Bedeutung, anordnenund beschaffen sein, abstamme, und daß daher alle mitdieser Endsilbe versehene Wörter in zwei Klassen zerfal-len, deren eine etwas in einen Körper oder in ein Gan-zes geordnetes andeutet, wie z. B. Bürgerschaft, alleBürger zusammengcdacht, Judenschaft, Sippschaft,Gesellschaft u. s. w.; und deren andere die Beschaffen-heit oder Eigenschaft einer Person oder Sache anzeiget,wie z. B. Feindschaft, Freundschaft, Gastfreundschaft,die Eigenschaft eines Gastfreundeö n.s. w. Völkerschaftgehört zu der ersten Klasse, und bedeutet mehre Völkerzusammengenommen und als ein Ganzes gedacht.National; dieses Beiwort kommt größtenthcils nur inZusammensetzungen vor, z. B. die Nationalversamm-lung, derNationalwille; und kann im Deutschen gleich-falls durch Zusammensetzungen, theils mit Land, theilsmit Volk gegeben werden, z. B. die Landesversamm-kung, ein Landcsfest, die Landcsschiffe, der Landes-schatz , der Volkswille. Den ersten Ausdruck gebrauch-te neulich der Herzog von Würtemberg in einer Erklä-rung an die versammelten Stände: ,,,Se. DurchlauchtP 2 zwei-