Druckschrift 
2 (1808) F - Z
Entstehung
Seite
39
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Hall Hara

so muß man sich mit der Umschreibung: in zwei glei-che Theile oder in zwei Halsten zerlegen, behelfen.

Hallelujah ! Dieser Hebräische Ausruf heißt bekanntlichauf Deutsch: Lobet den Herrn!

Hamadryade , in der Fabellehre, einBaumgcist; wofürman auch, da jenes weiblich ist, Baumgeisimadchcn,oder, wenn man Nimfe für eingebürgert halten will,Baumnimfe sagen könnte.

HaiKkieren ober hantiren. Frisch meint: dieses Zwik-terwort sei aus dem Franz, hanter gebildet; welchesaber schon wegen der ganz verschiedenen Bedeutung die-ser beiden Wörter, wobei nicht einmahl eine entfernteAehnlichkeit wahrgenommen wird, unwahrscheinlich ist.Gegründeter scheint Stosch'ens Vermuthung zu sein,der es von dem veralteten Handen und kM darausentstandenen Wiederholungsworte ( frequentativo )handtcrn, ableitet. S. Kleine Beitrage S. iL^MAd.endlich laßt es aus dem Stammworte Hand up demN. D. teren oder tiren (türen), ziehen oder zerren, ent-stehen. Dem sei nun wie ihm wolle, fo ist in jedemFalle gewiß, daß hantiren feiner undeutfchen Beto-nung wegen, undeutsch klingt, folglich aus jedem rein-deutschen Vortrage ausgeschlossen werden muß. Es wirdin vier Bedeutungen gebraucht; und es fehlt uns fükjede derselben nicht an echtdeutschcn Ausdrücken. Es be-deutet nämlich i. mit den Händen bewegen; z,B. derStein ist zu groß ; er last sich nicht gut hantiren. Hierkönnen wir handhaben dafür sagen; 2. allerlei Ge-schäfte, besonders solche, wozu die Hände nöthig sind,verrichten, z. B. sie hantirt vom Morgen bis an denAbend, bald in Küche und Keller, bald in der Vor-rathskammer, bald in dem Wohnzimmer. Hier habenwir kramen und wirthschaften dafür; auch verdientedas oben angeführte handtern dafür gebraucht zu wer-den. 3 . Poltern oder lärmen. Eins von diesen Wörternhätte z. B. Geliert, statt des undeutschen hanti-ren, gebrauchen können, wenn er sagte:Wer weiß,wer über der Küche hantirt oder gepocht Hat." 4 . EinGewerbe treiben; für welche Bedeutung das von Lu-ther'» gebrauchte werben wieder in Umlauf zu kom-men verdiente:Daß ihr wohnet und werbet und ge-winnet." 1 Mos. 34 , 10.Wollen im Lande wohnenund werben." Ebendas. V.'sr. Man sieht, daß wir denZwitter hantiren in allen seinen Bedeutungen füglichentbehren können.

Hansee-stadt. So geschrieben, und den Ton auf disSilbe see gesetzt, beleidiget dieses Wort sowol die Recht-schreibung , als die Aussprache. Es kommt bekanntlichvon Hanse, der Verein oder Bund, her, und müßtealso Hansestadt geschrieben werden, Und den Ton aufder ersten Silbe haben. Da aber Han 3 e gänzlich ver-altet ist, so müßte man, wenn Hansee-stadt ausge-- stoßen werden sollte, Bundcsstadt dafür sagen.

Harangue (spr. Harange), eine Rede.

Hara Harm 39,

Haranguiren (ssr. harangiren), eine Rede halten, feier-lich anreden.

Harceliren , necken, beunruhigen.

Hardi, beherzt, dreist, kühn.

Harriiesse, die Dreistigkeit, Keckheit, Kühnheit. Bür-ger hat auch Wagemuth f. Muth im Wagen, gebil-det:Fürwahr, dich fällt noch selbst dein Wagemuth."

Harem, der Ort, wo die Türkischen Weiber eingesperrtleben. Ehemahls hatten wir das Wort Frauenzimmerdafür. Allein da dieses, schon seit Opitz'ens Zeitenher, seine natürliche Bedeutung verloren, und die ihmunnatürliche, höchstftltsame, die wir kennen, angenom-men hat: so werden wir für Harem ein anderes bil-den müssen. Etwa Weiberhof? Ich möchte dis lieber,als Weiberhaus vorschlagen, theils weil der Haremkein gewöhnliches Haus, sondern ein Hof (Hotel),auch mit einem eingeschlossenen Garten verbunden zusein pflegt. Sonst können wir auch die Weiberwoh-nung, und im Scherz, der Weibcrkaficht sagen, wo-für Wie land einmahl gar Weiberstass gebraucht hat:

Harlecsuin ( spr. Arlckäng oder Harlekäng), ein Possen-reißer, Lustigmacher; in der Volkssprache Hanswurst,Pickelhering, Kilian.

Harlequinade, eine Possenreißerei, ein Pickelherings-sireichi

Harmonica. Da das Tonwerkzeug, welches diesen frem-den Namen führt, in einer mit Klocken besetzten Walzebesteht, so könnte man es auf Deutsch Klockenwalzcnennen. Er spielt die Klockenwalzc.

Harmonie. Ich hatte außer Ueberstimmupg und Ein-tracht, auch Einklang dafür angesetzt. Diese Ver-deutschung findet sich auch schon häufig bei unsern bestenSchriftstellern:

Sich, 0 Blöder, auf und nieder.

Sieh mit meinem Sinn den BauUnd den Einklang ihrer Glieder:

Bürger:

Allein Stutz erinnerte mit Recht dagegen:Harmo-nie sei nicht Einklang. Einklang entstehe wenn zweiSeiten eines Tonwerkzeuges auf Einen Ton gestimmtwerden, und nun die zweite Seite diejenige Spannunghabe, daß sie völlig den Ton der ersten angebe. Har-monie sei Zusammenstimmung oder Uebereinstim-mung.'" Ich habe, dieser Bemerkung zufolge, Ein-klangs. Accord angesetzt, und schlage Zusammenklangf. Harmonie vor. Dis wird auch von Eschen bürgdafür beliebt; doch setzt dieser hinzu:oft auch nurWohlklang überhaupt. Sie hangt vornehmlich von denAccorden und dem Verhältnisse zufammengchörlcr Töneab." Man hat auch Eintracht, in uncigcntlichcm Sin-ne genommen, dafür gebraucht:Der die schöne Ein-tracht beider Halsten störte." Wie land. Ost könnenwir auch das allgemeinere Wohlklang und Wohllautdafür sagen , so wie Mißklang und Mißlaut für Dis-

harmo-