wird, ob die Immunität in noch kürzerer Zeit und womöglich miteiner einzigen Injektion zu erreichen sein wird.
Eine zweite ebenso wichtige Thatsache ist die, dass mit derGalle von Kindern, welche an Kinderpest gestorben sind, andereThiere immunisirt werden können. In diesem Falle genügt eineeinzige Injektion von 10 ccm Galle unter die Haut. Die Immunitättritt am 10. Tage, vielleicht noch früher ein; sie ist eine so beträcht-liche, dass einem Thiere noch 4 Wochen nach der Injektion 40 ccmRinderpestblut injicirt werden konnten, ohne ihm im Geringsten zuschaden. Auch hier scheint es sich um eine aktive Immunisirungzu handeln. Die Thiere bekommen an der Injektionsstelle eineharte Schwellung von etwa Faustgrösse, welche im Laufe voneinigen Wochen wieder vollständig verschwindet, vorausgesetzt, dassdie Galle noch nicht in Zersetzung übergegangen war, was öfters beiden an Rinderpest gestorbenen Thieren vorkommt. Im letzterenFalle kann es zu einer Abscess-Bildung kommen, welche indessenden Immunisirungsprocess nicht zu beeinträchtigen scheint.
Diese beiden hier berichteten Thatsachen geben mir die Ueber-zeugung, dass mit Hülfe derselben die Rinderpest sich ohne Schwierig-keit und in nicht zu langer Frist beseitigen lässt. Die Immunisirungmit Serum in der angegebenen Weise kann dazu dienen, um rinder-pestfreie Gegenden von den inficirten durch einen breiten Gürtelvon immunisirtem Gebiet abzuschliessen. Die Schutzimpfung mitGalle dagegen wird in den inficirten Gebieten von unberechenbaremNutzen sein. Jeder Todesfall an Rinderpest liefert eine mehr oderweniger grosse Menge von Schutzstoff für die noch nicht inficirtenThiere des betreffenden Ortes.
Ich kann nicht dringend genug rathen, dieses Verfahren soschnell als möglich zur Kenntniss aller Viehbesitzer zu bringen,deren Vieh bereits inficirt, oder von der Infektion unmittelbar be-droht ist. Es können dadurch täglich Tausende von Thieren demLeben erhalten bleiben.
Die Technik der Schutzimpfung ist bei beiden Verfahren einesehr einfache, aber es wird doch zweckmässig sein, Thierärzte undauch andere dazu geeignete Personen jetzt schon dazu anlernen zulassen, und ich erkläre mich bereit dazu, die Unterweisung in derUntersuchungsstation in Kimberley zu übernehmen. Auch wird es