Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

legenen Landschaft Karmanien angewiesen worden sei. Diese Staats-Veränderung gab dem Schicksale der bei Babylon wohnenden Israeliten ^

eine neue Wendung. Es entsprach den Zwecken eines asiatischen Er-oberers, nach Niederwerfung eines feindlichen Reiches denen, die 1

durch dasselbe in Knechtschaft gerathen waren, freundlich entgegen;»- !

kommen. So wurde Cyrus das Werkzeug zur Erfüllung der durchJeremias gegebenen Verheißung, daß nach 70 Jahren die babylonischeGefangenschaft enden werde. 70 Jahre waren nach der Schlacht beiCircesium, auf welche die erste Abführung in die Verbannung gefolgtwar, bis zu der durch Cyrus den Israeliten gegebenen Erlanbniß zurRückkehr verflossen. Doch sind weder alle in Babylonien ansässig ge-wordenen Israeliten zurückgekehrt, noch kehrten alle, die die Erlaubnißbenutzten, mit einem Male heim. Die Heimkehrenden, welche seit dieserZeit den Namen Juden führen, erhielten zugleich die Erlaubniß, vorder Abreise Beiträge zu sammeln und Cyrus ließ für sie die durch Ne-bukadnezar nach Babylon gebrachten Tempelgefäße dem in ihrer Heimathregierenden Statthalter Scheschbazar überliefern und gestattete das Her-beiholen des Bauholzes vom Libanon zur Herstellung des Tempels undder Stadt. Unter Leitung des Zerubabel, eines Erben der Ansprücheauf den Thron Davids, begann die Arbeit der Herstellung und derHohepriester Jesus wies die Leviten in den Priesterdienst ein. Be-gannen die Arbeiten aber auch in so kleinem Maßstabe, daß mitten imJubel des jüngeren Geschlechtes die Aeltesten, die vor 70 Jahren den >alten Tempel gesehen, schmerzlich die Unwiederbringlichkeit des alten !Glanzes fühlten, so war auch in dieser Beschränkung eine ungestörteFortsetzung des Werkes nicht vergönnt. Das seit Beginn der assyrischenGefangenschaft erwachsene Mischlingsvolk der Samaritaner, das auchseine Religion aus dem Dienste Jehovah's und dem Dienste der Götzenmischte, hinderte nicht bloß durch thätliche Feindschaft, sondern auch durch ^Anklagen, welche das Beginnen der Juden als dem persischen Vortheilzuwiderlaufend darstellten. Es beginnt daher jetzt in der neu ange-knüpften Geschichte der Juden eine lange Stockung.

13. Ihrem natürlichen Zuge folgend, würde die persische Eroberungsich gegen das dritte der einst neben dem medischen bestehenden Reiche,gegen Aegypten, das gleich Babylonien mit Krösus verbündet gewesenwar, gerichtet haben und daß Cyrus diese Absicht hatte, ist ausdrücklichberichtet. Auf dem Wege dahin hätte Cyrus die Herrschaft über das !mit dem Sturze Babylons ihm zugefallene semitische Asien festgestelltund vielleicht auch die Verhältnisse der Juden vollends geordnet. Doch >

Bewegungen an der Nordgrenze scheinen ihn dorthin gerufen zu haben k

und hier fand er im Jahre 529 sein Ende, so daß die Bezwingung !

Aegyptens Aufgabe seines Nachfolgers wurde, lieber sein Ende gibt ^