Die Israeliten.
würden sie eine sehr rohe, ja atheistische Auffassung bekunden, nach wel-cher die als Götter verehrten Wesen Menschen sind, die sich bei Leb-zeiten irgend ein Verdienst erworben haben. Wahrscheinlich aber ist,daß Philo eigne Ansichten durch Gebrauch eines alten bedeutsamen Na-mens stützen wollte. Er diente hierbei dem von vielen Schriftstellerndes späteren Morgenlandes verfolgten Zwecke, die Vorzeit des eigenenVolkes den Griechen gegenüber zu Ehre und Ansehn zu bringen. Dem-gemäß sollen in Phönicien die ersten Menschen und die Erfinder allerKünste und nützlichen Einrichtungen von Taaut, dem Erfinder der Schrift,bis hinauf zu denjenigen, welche den Gebrauch der Lebensmittel gelehrt,gelebt haben.
vss.
Die Israeliten.
1. Wenn die Phöuicier den Blick aus Asien hinaus in den ferne»Westen leiten und vorläufig die Aufmerksamkeit für Gegenden in An-spruch nehmen, wo nach Ablauf der altasiatischen Geschichte die Werk-stücke für Vorbereitung der europäischen Geschicke sich öffnet, so hältihn in Asien zurück das Volk der Israeliten, das von Assyriernund Babyloniern, von Aegyptiern, von Phöniciern und nomadischenVölkern umgeben in den Kreis der asiatischen Welt gebannt scheint.Seine Geschichte dient, schon ganz äußerlich betrachtet, der allasiatischenGeschichte zur Ergänzung durch die bestimmte von ihm bewahrte Nücker-innernug an den ursprünglichen Zustand der Menschheit und durch strengeihrer Bewahrung gewidmete Bemühungen, in welchen sich zugleich, imGegensätze zu den gebildeten Völkern seiner Umgebung, der Blick fürLösung der Näthsel des menschlichen Daseins übt. Die Geschichte desVolkes ist aber auch zugleich die Geschichte der Veranstaltungen Gottesfür die Herstellung der gefallenen Menschheit und so weist sie auf jedemihrer Schritte hinaus in eine Zukunft ohne Ende und einen Raumohne Grenzen. Dieser Bestimmung gemäß wird es in die Geschicke derumgebenden Culturvölker dergestalt verflochten, daß es ihre Geschichtemit durchlebt, um gegen alle den Besitz seiner Kenntniß von dem per-sönlichen, ewigen und allmächtigen Gotte zu vcrtheidigen, um seinenGlauben an ihn im Widerspruche gegen deren Naturreligioncn zu be-währen und die Erscheinungen des heidnischen Lebens der Reihe nachzu überwinden. Jede Berührung mit fremden Religionen führt zutieferer Aneignung der eigenen durch Offenbarung gegebenen und die inden fremden Einflüssen liegende Gefahr der Entfremdung von Gott ruft