Die Römer in der Zeit der Umwälzungen und der Bürgerkriege. -gz
Maßstab dafür gibt es, daß Scipio, der nach der Rückkehr von Nu-mantia sich im Sinne der Optimaten über den Tod des älteren Gracchusgeäußert hatte, eines Morgens ermordet gefunden worden war. Dieinnere Unordnung war schon so gestiegen, daß man keine Untersuchungdeßhalb anstellte. Gracchus, der seinen Bruder an Talent und Leiden-schaftlichkeit übertraf, betrieb nun fernere Maßregeln, um die Gewaltder Optimaten zu brechen. Zuerst arbeitete er auf eine Sühne fürseinen Bruder hin, die zugleich eine Rache, wie die Optimaten sie nachdessen Sturz geübt, für die Folge unmöglich machen sollte. Das zudiesem Zwecke durchgegangene Gesetz belegte den mit Todesstrafe, derrömische Bürger ohne vorherige Untersuchung habe hinrichten lassen.Popilius Länas, der im Jahre 132 als Consul, während sein Amtsge-nosse die Sklaverei in Sicilien bekämpfte, allein an der Spitze derOptimaten gestanden, entging der Anwendung, die das Gesetz auf ihnfinden mußte, durch freiwillige Entfernung. Mittelst fernerer Gesetzeschärfte er die von seinem Bruder herrührende Beschränkung des Be-sitzes von Staatsländereien durch Weglassung der zu Gunsten von Söh-nen gemachten Ausnahme und bewirkte fernere Erleichterungen derärmeren Bürger durch Ueberlassung von Getreide zu geringeren Preisen,durch Beschaffung der zum Kriegsdienst erforderlichen Ausrüstung vonSeiten des Staates, durch Beschäftigung vieler Hände beim Straßen-baue, durch Ausführung von Colonieen, worunter eine Namens Ju-nonia an der Stelle des zerstörten Carthago. Unmittelbar wurde seinAngriff auf die Optimaten während des folgenden Jahres, für welcheser wieder zum Tribun gewählt worden war. Die Haupthebel der oli-garchischen Macht des immer durch die Censoren, also unter dem Ein-flüsse der Nobilität, ergänzten Senates lagen in der ihm zustehendenAufsicht über die Einkünfte des Staates und in dem ihm zustehendenRechte, aus seiner Mitte die Richter zu den unter Leitung der Prätorenstehenden Gerichten zu liefern. Hierdurch wurden auch die nicht zurNobilität gehörigen Reichen von dem Senate abhängig, indem sie dieZölle der Provinzen von dem Senate in Pacht nahmen und für ihrehabsüchtigen Bestrebungen und Handlungen in den Provinzen im Falleeiner Anklage des Schutzes der senatorischen Richter bedurften. DasMittel, den so gestützten Einfluß des Senates zu brechen, fand Gracchusin der Uebertragung des Richteramtes an einen zwischen dem Senateund der Menge stehenden Stand. Einen solchen bildeten die Ritternach einer neueren Bedeutung des Wortes. Waren die Ritter ur-sprünglich die im Felde den Neiterdienst leistenden Bürger, so übertrugsich allmälig der Name, abgesehen von jener Dienstleistung, auf diejeni-gen, welche in den hierzu erforderlichen Vermögensverhältnissen standen.Für sie hatte sich eine besondere Stellung dadurch gebildet, daß sie