dem Seleuci'denreiche, Makedonien und Griechenland. 455.
minderten, mußte der alte Gegensatz von Patriciern und Plebejernimmer bedeutungsloser werden und sich zuletzt verlieren. In welchemMaße dies der Fall war, zeigt sich daran, daß die Patricier das Rechtauf eine der Consulstellen nicht festzuhalten vermochten und das ersteJahr nach dem Kriege mit Perseus, das Jahr 167, zwei plebejischeConsuln hatte, ja mit den Censoren, für welche, bei der seltneren Wahl,die patricischen Familien leichter ausreichen konnten, im Jahre 131das Gleiche geschah. Es war aber unvermeidlich, daß sich während desErlöschens des alten Gegensatzes ein neuer ausbildete, der auf das Er-löschen des alten auch wieder zurückwirkte. Die Ehren, welche durchdie höheren Aemter in plebejische Familien kamen, brachten dieselben zueinem solchen Ansehen, daß auch in der Folge sich die Wahlen auf Mit-glieder derselben Familien richteten, zumal da das Verdienst, welchesMitglieder einer Familie in Bekleidung eines Amtes erworben hatten,für die Familie überhaupt ein günstiges Vorurtheil erweckte. So bildetesich ein Kreis von angesehenen plebejischen Familien, welche von denangesehensten patricischen so sehr als ihnen gleichstehende anerkanntwurden, daß zwischen den einen und den andern sogar Heirathellstattfanden. Es trat an die Stelle des patricischen Geburtsadels einauf Amt und Verdienst gegründeter Adel, in dem Patricier und Plebejervereinigt waren, die Nobilität. Daß aber diese Nobilität bald einenfast ebenso geschlossenen Kreis, wie früher das Patriciat, bildete, rührtevon dem Einflüsse her, den die äußeren Ereignisse auf die Veränderungder Vermögenöverhältnisse und diese auf die staatliche Stellung ausübten.Die auswärtigen Kriege waren durch Beute, welche sie lieferten, eineQuelle des Neichthums. Die Staatskasse wurde dadurch so gefüllt,daß schon seit dem vorletzten makedonischen Kriege kein Tribut mehrvon den Bürgern erhoben wurde. Aber aus derselben Quelle berei-cherten sich die Einzelnen und am meisten die Heerführer. In welchemGrade das geschah, ergibt sich aus einer Forderung auf Rechenschaft,die an Scipio, den Ueberwinder des Antiochus, wegen einer MillionDrachmen gerichtet wurde. Es ergibt sich aus dem Verlaufe dieserSache auch, wie wenig man in der Regel zu solcher Rechnungslegunggeneigt war. Denn obwohl Scipio dazu bereit war, verwehrte es ihmsein Bruder, der Afrikaner, worauf er einer Anklage, die ihn deßhalberwartete, dadurch auswich, daß er sich für den Rest seines Lebens nachder kampanischen Stadt Liternum zurückzog. Solche Bereicherung gabgroßen Einfluß, wie sie auch einen Antrieb zu fernerer Bewerbung umAemker, die neue Bereicherung versprachen, gewährte. So kamen mitden Aemtern in die Hände einzelner Familien zugleich die Mittel sichferneren Zutritt zu denselben zu sichern. Besonders wichtig wurde indieser Hinsicht der Reichthum dadurch, daß für die curulischen Aedilen