Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
452
Einzelbild herunterladen
 

452

Die Römer im Kampfe mit Carthago,

Zeit eine Art von Hegemonie bei einem Theile der gallischen Völkerbesessen hatten. Was hier von den Römern erobert wurde, das Landan der Seeküste und am Laufe der unteren Rhone, ostwärts bis zurKette der Westalpen ausgedehnt, führte von der nicht lange nach AquäSertiä gegründeten Colonie Narbo Martins den Namen des narboni-schen Galliens. Wie hierdurch zwischen Italien und Spanien die Unter-brechung römischer Herrschaft aufhörte, wurde der ZusammenhangItaliens mit den jenseits des adriatischen Meeres gelegenen Länderngewonnen im Jahre 119 durch die Eroberung Dalmatiens, welche einemandern Metellus, einem Vetter des Balkarischen, den Namen des Dal-matischen erwarb.

21. Um dieselbe Zeit, wo sich so im Westen das römische Gebietabrundete, wurde auch aus dem bereits zertrümmerten hellenistischenStaatensystem ein Stück herausgerisscn und ein Reich Asiens aus mittel-barer Unterthänigkeit in unmittelbare versetzt. Im pergamenischen Reichewar auf den zweiten Eumenes im Jahre 158 dessen Bruder, der zweiteAttalus, und auf diesen im Jahre 138 Eumenes' Sohn, der dritte Ma-lus, gefolgt. Attalus hatte zwar von seinen Vorfahren jenes Bemühenfür Wissenschaft und Kunst, in dem sie mit den Ptolemäern gewett-eifert hatten, geerbt, war aber zugleich ein unmenschlicher Tyrann.Seine Gewalttätigkeiten gaben den Römern, die längst sein Reich alsvon ihnen abhängig behandelt hatten, Anlaß ihre Absichten auf dasselbedeutlicher zu zeigen und sie bewogen ihn zu einem Testamente, wodurcher sie zu Erben seiner Besitzungen erklärte. Diese Bestimmung deutetensie nicht auf die ihm gehörigen Güter, sondern auf das von ihm be-herrschte Reich und suchten nach seinem im Jahre 133 erfolgten Todedasselbe kraft eines ihnen zustehenden Rechtes in Besitz zu nehmen.Dabei trat ihnen Aristonikus, unehelicher Sohn des vorletzten Königs,entgegen. Solche Söhne wurden in den morgenländischcn Neichen nichtals unfähig zur Nachfolge angesehen und die Bevölkerung des Reiches,die Griechen an der Küste nicht ausgeschlossen, hatten die Bedrückungenund Erpressungen Roms hinreichend kennen gelernt, um sich der Be-gründung der römischen Herrschaft in Asien zu widersetzen. Die be-nachbarten Reiche Bithynien, Pontus und Kappadocien gewährten keineUnterstützung, schickten vielmehr den Römern Hülfstruppen, und das se-leucidische Reich war bei der Noth, in welche es durch die Partherversetzt war, zu jeder Theilnahme außer Stande. Der Krieg zog sichmehrere Jahre hin, da Aristonikus sein Heer durch thracische Söldner-schaaren vergrößerte und die römischen Heerführer, von Habsucht ge-leitet, den Krieg gegen einzelne Städte führten, um Gelegenheit zurPlünderung zu finden. Im Jahre 131 nahm sogar der Krieg unterdem Consul Licinius Crassus eine für die Römer unglückliche Wendung