Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
445
Einzelbild herunterladen
 

dem Seleucldcnrciche, Macedonien und Griechenland. 445

begier nach Lacedämoniern so eifrig, daß man die Wohnung der römi-schen Gesandten nicht mit Durchsuchung verschonte. Es trat eine Zeitein, wo nur durch Nachgeben noch etwas zu retten war, aber bei derentstandenen Aufregung galt jeder dahin zielende Rath als Untreue undes kam zum Kriege, ohne daß die Achäer, die schon so lange unter rö-mischem Schutze gestanden, dazu gerüstet gewesen wären. Nachdem dieGelegenheit, welche eine neue römische Gesandtschaft zum Einlenkengab, verschmäht worden, zog Kritolaus, das Haupt der Kriegspartei,im Jahre 146 mit einem Heere durch das auf achäische Seite getreteneBöotien, rückte durch die Thermopylen und belagerte Heraklea. DerKrieg war dem Namen nach ein Krieg gegen die Lacedämonier, mußtesich aber in der That gegen die Römer richten und so hatte man sichzunächst gegen den noch in Macedonien stehenden Metellus zu schützen.Bei Annäherung der Römer zog sich Kritolaus schnell durch die Ther-mopplen zurück und erlitt bei Skarphea im epiknemidischen Lokris eineNiederlage, bei welcher er selbst verschwand. Bei Chäronea wurde so-dann eine zu Hülfe gekommene Schaar von Arkadern vernichtet und,nachdem Theben und die übrigen Orte Böotiens, so wie Megara inBesitz genommen waren, erschien das römische Heer am Isthmus. Me-tellus wünschte Griechenland zu schonen und, ehe der für diesen Kriegbestimmte Consul Mummius ankäme, Frieden zu schließen. Doch seinegemäßigten Forderungen fanden bei der leidenschaftlichen Stimmung inKorinth kein Gehör und dem Mummius blieb die Aufgabe, den Kriegzu beendigen. Der Strateg Diäus, der als Vorgänger des Kritolauseinstweilen in dessen Stellung getreten war, verlor eine neue Schlachtauf dem Isthmus, floh nach seiner Vaterstadt Megalopolis, wo er seineFrau tödtete, sein Haus anzündete und dann sich selbst ermordete. InKorinth herrschte äußerste Rathlosigkeit und Mummius zog ohne Wider-stand ein. Der Einzug war von Blutbad, von Plünderung und, wiees der Senat vorgeschrieben, von Zerstörung begleitet. Die Stadt warin den späteren Zeiten Griechenlands die blühendste gewesen und hatte'am wenigsten von den wechselnden Ereignissen gelitten. Daher warsie auch an Kunstwerken am reichsten und der Verlust, der durch derenZerstörung entstand, sehr groß. An Mummius hatte Griechenland einenBezwinger gefunden, dem die Werke der Kunst keine Achtung einflößtenund die Härte, die sich bei der Vernichtung der letzten selbstständigenMacht Griechenlands zeigte, stand in scharfem Gegensätze zu der Nei-gung, welche in der Folge die Römer in das Land der Kunst undWissenschaft zog. Von Rom aus erschienen jetzt zehn Männer, dieGriechenland unter dem Namen Achaia zur Provinz einrichteten. DieAuslösung aller Bundesverhältnisse und die Uebergabe der Regierungin die Hände der Neichen waren die Hauptmittel zur Sicherung der