Druckschrift 
1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

»38

Die Römer im Kampfe mit Carthago,

13. Indem nun Nom die beiden während des karthagischen Krie-ges in den Anfängen erkennbaren Richtungen seiner erobernden Thätig-keit zu verfolgen beginnt und so seine Geschichte eine Geschichte derWelt wird, verändert sich die Stellung, welche die Betrachtung ihmgegenüber einnimmt. In dem Maße, wie der Gesichtskreis sich erwei-tert, der Schauplatz sich ausdehnt, wird das ganze Thun äußerlicherund der Blick wird nicht mehr durch die Thätigkeit sittlicher Kräfte, diedas beschränkte Rom langsam und sicher vergrößerten, gefesselt, vielmehroft abgestoßen durch die Willkühr und Gewaltthätigkeit, womit derStaat auf der betretenen Bahn der Eroberung fortschreitet, ohne das,was er in rascher Folge erwirbt, auf eine innerliche Weise mit sich ver-knüpfen zu können. In Italien war vielfach die Bundesgenossenschaftin Untertänigkeit übergegangen und die langen, zum Theil fernen Kriegehatten bei einem großen Theile der Bürger eine Neigung zu dem Beuteversprechenden Kriegsleben geweckt, durch welche in Rom selbst, wennes sich um das Verhältniß zum Auslande handelte, die Wage sich leichtauf die Seite des Krieges neigte. Je mehr das innere Staatswesensich in demokratischer Richtung fortbildete, desto reizender wurde für denSenat die Machtvollkommenheit, durch die er in der Ferne Gesetze vor-schrieb, desto reizender für das Volk die Gelegenheit, sich als Herrnden Völkern zu zeigen. So stehen die großen Zwecke, denen die Aus-breitung des römischen Reiches dient, in Gegensatz zu den Beweggrün-den, durch welche es in dem Bestreben nach Ausbreitung erhalten wird.Es zeigt sich darin im Großen, wofür die Geschichte unzählige Beispielehat, daß eine höhere Macht die Zügel der Wellherrschaft lenkt und nachewigen Zwecken die menschlichen Geschicke regelt und gestaltet, währenddie in den kleinlichen Zwecken der Gewalt, des Stolzes und des Ge-nusses befangene Menschheit der Lockung des Augenblickes, dem Reizedes Zunächstliegenden gehorcht.

14. Mit Philippus hatte Rom im Jahre 205, ehe Scipio nachAfrika überging, Frieden gemacht, da der Plan, ihn durch die Aetolerzu beschäftigen, durch deren einseitigen Friedensschluß gestört wordenwar. Es war Roms Glück gewesen, daß er den Hannibal nicht miteiner Kraft unterstützt hatte, wie sie einst Pyrrhus besessen und ge-braucht. Beständig haben die Römer das Glück, daß erst nach Besie-gung eines Feindes ihnen der neue ersteht, der bei früherem Auftretendurch Verbindung mit dem ersten sich nach menschlicher Berechnung fürimmer gegen sie schützen konnte. Auch hierin zeigt sich, wie Nom umgroßer Zwecke willen zur Weltherrschaft bestimmt war. Als Philippdurch Angriffe auf Athen, Pergamus, Rhodus, Aegypten den Römern,die einen Anlaß zum Kriege gern benutzten, einen solchen gegeben, er-fuhr er in dem zweiten Kriege vom Jahre 200 bis zum Jahre 197