420 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsverfaffung
die Gemeinschaftlichkeit des Feindes zu einem eigentlichen Bündnisse undzugleich begann hiermit eine Durchkreuzung der beiderseitigen Vortheile.
Die Zeit von Pyrrhus' Abwesenheit benutzten die Römer zur Bekäm-pfung der abtrünnigen Völker Süditaliens, die nicht im Großen Wider-stand leisteten, sondern ihnen in einzelnen Schaaren überall Abbruch zuthun suchten, sie zu einem ausgedehnten und anstrengenden Kampfe nö- ^thigten und ihnen zu großer Grausamkeit Veranlassung gaben. ImJahre 275 kehrte Pyrrhus, als auch seine Thätigkeit in Sicilen keinbleibendes Ergebniß geliefert hatte, nach Italien zurück. Schon dieRückkehr war von großen Schwierigkeiten begleitet. In Nhegium konnteer nicht landen. Hier lag eine aus Campanern gebildete Legion, welcheden Römern zur Behauptung des wichtigen Platzes als Besatzung dienensollte. Sie hatte sich zwar gegen die Römer empört und unter Grau-samkeiten gegen die Stadt sich, gleich den Mamertinern in Messana, eineselbstständige Stellung gegeben, behauptete aber diese Selbstständigkeitnatürlich auch gegen Pyrrhus. Dieser mußte seinen Lauf nach Lokri neh-men und erlitt durch die karthagische Flotte Verlust an Schiffen, Men-schen und Geld. Sein Heimathland war keine Hülfsquelle, da es imVerhältniß zu seinen Unternehmungen nur klein war und die Bewohnerkeine Neigung hatten, den weitaussehenden, für sie gleichgültigen Ab-sichten ihres Königs zu dienen. In Macedonien, woher er bei seinemersten Uebergang nach Italien Unterstützung mitgebracht, waren die Ver-hältnisse so verändert, daß von dort her nichts zu hoffen war. Unge-achtet aller dieser widrigen Umstände stellte er wunderbar schnell wiederein Heer in's Feld, begegnete damit dem in Samnium eingerücktenConsul Curius Dentatus bei Benevent und wurde, da sein Plan, dieRömer zu umgehen, mißlang, von ihnen, die gegen die Elephanten dasschon bei Asculum versuchte Mittel brennender Pfeile anwandten, ge-schlagen. Jetzt gab Pyrrhus die ganze italische Unternehmung auf, umeine neue wechselvolle Laufbahn in Macedonien und Griechenland zu be-ginnen. Er ließ aber in Tarent seinen Feldherrn Milo mit einer Be-satzung zurück und versprach, wenn die Verhältnisse in Macedonien ge-ordnet seien, wiederzukommen. Nach seinem Abzüge, der dem KönigePtolemäus Philadelphus Anlaß zu einer beglückwünschenden Gesandtschaft >an die Römer gab, nahm die Unterwerfung Italiens raschen Fortgang.Samniten, Lukancr, Bruttier erkannten Roms Hoheit in dem Jahre an,wo Pyrrhus' Tod ihre letzten Hoffnungen vernichten mußte. Aufständeder Picenter und Umbrer wurden unterdrückt. Die Colonieen Ariminumim Lande der Senonen und Benevent in Samnium wurden Stützpunkteder Herrschaft im Norden und Süden. Tarent aber wurde im Jahre272 von den Römern zu Lande und von den Carthagern zur See an-gegriffen und von Milo, der sich einschiffte, den Römern gegen eine