414 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsverfassung
ein Kampf der beiden mächtigsten erwünscht, weil jedes auf Schwächungdesjenigen hoffte, von dessen ungestörtem Wachsthum es selbst ammeisten fürchten zu müssen glaubte. Von dem Ausgange des Kampfeshing die Entscheidung der Frage ab, welches Volk Italien zu schirmenhaben werde gegen die Gallier, die im Norden der Apeninnen und ander adriatischen Küste auf Kosten der Umbrer bis zum Flusse Arsis seß-haft geworden waren, und gegen die Carthager, die in ihren Fortschrittenauf Sicilien zwar eben durch Timoleon gehemmt wurden, die aberSardinien und Corsika besaßen und das Meer zwischen diesen Inselnund Italien beherrschten. Der Sieg bleibt dem Volke, das in seinerVerfassung und in dem mit ihr entwickelten Geiste die Kraft besitzt, anseinen Staat, wie einen Kern umhergelagerte Bestandtheile eng anzu-schließen. Diese Entscheidung ist gleichzeitig mit den größten Verände-rungen, welche die griechische und die orientalische Welt erfahren haben.Die Unterwerfung Latiums unter Rom trifft mit der UnterwerfungGriechenlands unter Makedonien zusammen und der Kampf Noms undSamniums gehört der Zeit an, in welcher Alexander das persische Reichstürzte und unter den Kämpfen seiner Nachfolger sich die hellenistischenReiche begründeten.
26. Die Veranlassung des Kampfes ging von den beiden cnmanischenColonieen Paläpolis und Neapolis aus. Ihre Bewohner machten Streif-züge gegen die Campaner und genossen dabei samnitische Unterstützung.Den Krieg gegen sie übernahm der Consul Publilius Philo im Jahre327 und erhielt, was hier zum erstenmale geschah, nach Ablauf seinerAmtszeit, durch Verlängerung seines Heeresbefehls, den Auftrag ihnsortzusetzen. Er eroberte im Jahre 326 beide Städte und triumphirtein der neuen Würde eines Proconsuls. Eine andere feindselige Be-rührung hatte sich dadurch ergeben, daß die Römer im Jahre 327 aufeinem einst von den Samniten besetzten, aber wieder verlassenen Gebieteam Liris die Colonie Fregellä anlegten, um einen festen Punkt zu haben,der ihre Verbindung mit Campanien schützte und die Samniten vonLatium trennte. Da die Samniten die Räumung des Ortes forderten,erkannten die Römer den Krieg als unvermeidlich und suchten sich,während sie ihre Rüstungen eifrig betrieben, durch einen Frieden mitden Galliern und ein Bündniß mit dem jetzt im Dienste der Tarentinerstehenden und nach Begründung einer eignen Herrschaft strebenden mo-lossischen Könige Alerander zu sichern. Die Richtung der samnitischenAngriffe war nach den Gegenden von Sora am oberen Liris und Sub-laqueum am oberen Anio, wo man den Rom unterworfenen Völkernnahe genug kam, um ihre Treue wankend zu machen. Dagegen nahmendie Römer ihren Weg nach Campanien, wo sie den Vortheil eines un-mittelbaren Angriffes auf Samnium hatten. Um aber auch die Feind-