412 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsverfassung
lange vor dem ersten Erscheinen der Gallier statten Samniten die Land-schaft, deren Hauptstadt Capua war, besetzt. Hier war die tyrrhenischeUrbevölkerung den Oskern erlegen und diese waren wieder von Etrus-kern unterworfen. Capua, in einer der gesegnetsten Gegenden gelegen,erblühte zu großem Reichthum und die Berührung mit den griechischenStädten Süditaliens pfropfte hier einen Zweig griechischer Bildung.Die Osker mögen sich für ihre etruskischen Herren gegen die Samnitenschlecht gewehrt haben und wurden mit ihnen unterjocht. Die gestimmteBevölkerung des Landes erhielt den Namen Campaner, wie auch dieHauptstadt, früher Vulturnum genannt, seitdem Capua hieß. Das Landhatte noch nicht die Ausdehnung des späteren Campaniens, da es vomLiris durch die Ausoner und Aurunker und vom Silarus durch dieeigentlichen Samniten, die die Meeresküste von diesem Flusse nordwärtsbis Surrentum erreichten, getrennt war. Die Osker blieben aber gegendie neuen Herren in einer schroffen Stellung, ohne daß ihr Staat durchvertragsmäßige Verbindung eine Stärke gefunden hätte, wie sie sich indem gleichfalls aus verschiedenen Bestandtheilen zusammengesetzten römi-schen Staate entwickelt hatte. Die oökische Bevölkerung behauptete einUebergewicht, wodurch die Campaner in eine feindliche Stellung gegendie Samniten kamen. Das Vordringen der Samniten traf zuerst dievskischen, am nächsten den Volskern verwandten Sidiciner, während vonden Volskern selbst, welche gebrochen und großenteils in die Latineraufgegangen waren, bei dieser Gelegenheit nicht die Rede ist. Die Si-diciner suchten Hülfe bei den Campanern und diese wurden von denSamniten geschlagen und mußten dieselben die Gegend um Capua ver-heeren sehen. Da wandten sie sich an Nom oder den römisch-latinisch-hernikischen Bundesstaat und begaben sich unter dessen Schutzherrlichkeit.Die Römer hatten ein Bündniß mit den Samniten, nicht als Vereinzu gegenseitiger Hülfe, sondern zur Erleichterung des Verkehrs und zurBeschränkung weiterer Ausbreitung. Dessenungeachtet griffen sie die-selben an, als ihre Verwendung fruchtlos geblieben war. Im Jahre343 warf sich der elne Consul, Valerius Corvus, auf die in Campanieneingedrungenen Samniten, während sein Amtsgenosse Cornelius Cossusauf dem Wege von Capua nach Beneventum durch die Gebirgspässebei Caudium in Samnium eindrang. Die erste Schlacht erfolgte amBerge Gaurus bei Cumä. Der Ort deutet darauf hin, daß die Römervon den Samniten zurückgedrängt waren und daß der mit äußersterAnstrengung erkämpfte Sieg sie aus mißlicher Lage befreite. Nach demSiege vereinigte sich Valerius mit seinem Amtgenossen, der sich in-zwischen der Gefahr, in den Pässen vernichtet zu werden, entzogen hatte.Die vereinigten Heere schlugen den Feind noch einmal bei Suessula.Hiermit war der Krieg beendigt und es war nur noch eine Empörung