410 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsverfassung
kam zu einem Plebiscit, dasselbe konnte aber nicht zum Gesetze werden,da der Senat sich weigerte, ihm die bloß förmliche Bestätigung derCurien zu verschaffen. Es entstand eine Secession der Plebs nach demauf der rechten Tiberseite gelegenen Hügel Janiculum. In Hortensiusward ein Diktator zur Beseitigung der Gefahr aufgestellt und ein vonihm beantragtes Gesetz räumte, indem es die Mitwirkung des Senatesbei Bestätigung der Plebiscite beseitigte, die letzte Schranke weg, welchebisher noch etwanigem Mißbrauch der gesetzgebenden Gewalt der Tribusim Wege gestanden hatte. Noch ehe sich die Gesetzgebung so weit indemokratischer Richtung ausgebildet hatte, wurde auch eine Erweiterungdes Bürgerrechtes durchgeführt. Da cs für Sklaven eine Möglichkeitgab, sofern ihre Herren es wollten, in das Verhältniß von Freien zutreten und da dieselben nach einer Befreiung doch immer noch als Leuteminderen Standes geachtet wurden, bildeten die Freigelassenen langeZeit einen besonderen Stand, dem zum vollen Bürgerrechte das Stimm-recht fehlte. Die Stellung dieser Leute wurde durch das Erlöschen desClientelverhältnifses eine unbestimmte und unbefriedigende, da sie, wäh-rend sie früher Clienten ihrer Herren geworden waren, nun zu denPlebejern gehörten, ohne deren Rechte zu theilen. Im Jahre 312verlieh ihnen daher Appius Claudius, später der Blinde genannt, kraftder Censur, die er damals bekleidete und von welcher die nach Terra-cina führende appische Straße ein bleibendes Denkmal ist, das Stimm-recht, indem er sie entweder in alle Tribus vertheilte oder jeden eineTribus wählen ließ. Daß diese Neuerung von einem der oligarchischgesinnten Appier ausging, läßt vermuthen, daß derselbe in Verachtungdes plebejischen Standes demselben eine Schaar von Leuten, die dieserselbst verachtete, beigesellen wollte, um in die Tribus Unruhe und Spal-tung zu bringen. Es scheinen hieraus auch bedrohliche Uebelstände ent-standen zu sein. Denn schon acht Jahre später findet sich eine auf Be-schränkung des Einflusses der Freigelassenen zielende Maßregel. FabiusNullianus, der mit einem Amtsgenossen schon, da seit der letzten Cen-sorwahl erst drei Jahre verflossen sind, als Censor erscheint, theilte dieFreigelassenen den vier städtischen Tribus zu, was man so verdienstlichfand, daß man ihm den ehrenden Beinamen Marimus gab.
22. Die Herstellung der Eintracht, welcher im I. 366 auch durchErrichtung eines Tempels der Eintracht ein Denkmal gesetzt wurde,steigerte Roms Kraft dermaßen, daß cs seinen Beruf, Völker zu beherr-schen, von nun an verwirklichte. Waren bisher nur kleine Kriege inder Nachbarschaft geführt worden, so begann jetzt, da der Kriegsdienstdie Plebejer williger fand, nicht mehr die häusliche Wohlfahrt der unterden Waffen Stehenden vernichtete und nicht mehr durch die über dieinneren Verhältnisse schwebenden Fragen Unterbrechung oder rasche Be-