406 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsvcrfaffung
die Bewohner von Clusium einen Hülferuf gegen die nordischen Bar-baren , deren Anblick Schrecken verbreitete, nach Nom erschallen. DieSchaar, die über die Apeninnen gekommen war und Clusium angriff,war gewiß nur eine von mehreren, die sich über die Halbinsel ergossen.Außer den Etruskern wurden die Umbrer von ihren Naubzügen betroffenund im weiteren Verlaufe ihrer Wanderungen haben sie wahrscheinlichdem Volke der Aequer, von dem in der Folge nicht mehr die Rede ist,den Todesstoß gegeben. Den Clusinern suchten die Römer durch Ge-sandte zu helfen, die den Feind zum Abzug zu bewegen suchten. Einespäter entstandene Sage, die das kurz nachher über die Römer gekom-mene Unglück, als Folge eines von Seiten Einzelner begangenen undgöttliche Strafe herabrufenden Unrechts darstellen wollte, meldet, dieGesandten hätten, da ihre Verwendung nichts gefruchtet, in den Reihender Clusiner gegen die Gallier gekämpft und so einen Bruch des Völ-kerrechts begangen, das einem den Römern so fremden Volke gegenüberdoch nicht bestand. Clusiums Fall öffnete den Weg in das untere Tiber-thal und auch ohne daß die Gallier, den Bruch eines Völkerrechts zurächen, Nom zu ihrem Ziele gemacht, erklärt sich die Fortsetzung ihrerWanderung nach Süden. Im Jahre 390 begegneten ihnen die Römeran einem jetzt nicht wieder zu findenden Flüßchen, Namens Allia, underlitten im ungestümen Andrang eine Niederlage, die ihr Heer aufrieb ^
und, da die Rüstung eine sehr umfassende gewesen war, den Staat wehr- r
los machte. Ein Theil derer, die sich gerettet, warfen sich in das festeVeji. In Nom beschloß man die Heiligthümer nach Ardea zu flüchtenund suchte sich auf dem leicht zu vertheidigenden Capitol zu schützen.
Als Vertreter der Würde des römischen Staates aber gab sich eineAnzahl angesehener Männer, zum Theil obrigkeitliche Personen, in Amts-tracht, gleich den in Athen bei Xerres' Erscheinen zurückgebliebenen Grei-sen, der Wuth der Barbaren preis. Stumm und unbeweglich saßen sie ^auf dem Forum und wurden von dem Schwarme der in die Stadt ge-drungenen Feinde angestaunt, bis einer der Römer den Gallier, derseinen Bart faßte, mit dem Stabe niederschlug, was das Zeichen zurNiedermetzelung der Römer gab. Während andere Schwärme nun dieGegend heimsuchten, plünderte man in Nom, brannte die Stadt niederund belagerte das Capitol. Fast wäre einmal das Capitol an einerSeite auf steilem Pfad erstiegen worden, hätte nicht der Patricier Man-liuö Capitolinus die bereits bis zur Höhe gelangten Gallier hinabge-stürzt. Sechs Monate blieben die Feinde im Besitz der Stadt und dieRömer auf dem Capitol drohte der Hunger zur Ergebung zu zwingen.
Da begannen die Gallier, die von den für Nordländer gefährlichenrömischen Sommermonaten zu leiden anfingen, auch von einem Einfalleder Alpenvölker in die Gegenden des Po, wo sie Weiber und Kinder