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1 (1855) Die vorchristliche Zeit
Entstehung
Seite
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Z72 Die Römer während der Ausbildung ihrer Staatsverfassung

von Ansprüchen und einer Feststellung von Rechten dienten, anderefolgten, in welchen die Führer, statt die Vertreter begründeter Ansprüchezu sein, die Parteien als Mittel für persönliche Zwecke gebrauchten.Daraus entwickelte sich eine Staatsform, wie sie der Osten in per-sischer und hellenistischer Zeit hervorgebracht, und die Willkühr einesEinzelnen wurde zum Gesetz. Doch auch da war Nom noch so reichan Ueberlieferungcn besserer Zeit, daß es ungeachtet äußerster Entar-tung noch die Mittel besaß, in den von ihm beherrschten Ländern derOrdnung der Dinge, die auf den Untergang des Reiches folgen sollte,die nöthige Grundlage zu schaffen. Wie daher die Staaten der altenWelt in dem römischen Reiche enden, so haben die der neuen in dem-selben ihren Anfang. Damit es aber die Aufgabe löse, zu einer neuenOrdnung der Dinge lüberzuleiten, muß es so lange fortbestehen, bis dieVölker, die es bezwungen hat, sich dem Christenthum zugewandt habenund das Reich selbst aus einem heidnischen zu einem christlichen gewor-den ist. Dadurch wird der Einfluß, welchen Rom in seinem Untergangenoch durch die in ihm bewahrte Fülle rechtlicher und staatlicher Grund-sätze ausübt, zugleich dem höheren Zwecke dienstbar, die christliche Lehremit den zu ihrer Pflege geschaffenen Einrichtungen auf die jüngereWelt zu verpflanzen, deren Völker durch das Bedürfniß nach irdischerOrdnung dahin geführt werden, zugleich die Erbschaft der für himm-lische Ordnung bestehenden Anstalten anzutreten.

2. Der Punkt, von welchem aus durch allmäliges Anwachsen diesesReich sich entwickelte, die Stadt Rom, entstand fern von allem Bereichegriechischen Einflusses an der linken Seite der unteren Tiber, wo ausder von der Küste her bis an die Mündung des Anio sich landeinwärtsziehenden Ebene fast drei Meilen von der Tibermündung sieben flacheHügel sich erheben. In dieser Gegend berührten sich die Gebietevon drei Völkern, Etruskern, Sabinern und Latinern. Diese Berüh-rung machte den Ort zu dem Ziele verschiedener von den drei Völkernausgehenden Colonieen und aus diesen verschiedenen Colonieen erwuchsdie Stadt Rom auf der Grundlage einer durch das Bedürfniß gebote-nen Uebereinkunft. Als die Veranlassung zur Gründung dieser Colonieenmag man sich Ereignisse denken, wie sie allen Colonieen zu Grundeliegen. Namentlich aber scheinen innere Veränderungen, die einen Theilder Bevölkerung einer Gegend in Unzufriedenheit versetzten, bei denAnsiedelungen, die den Anfang Noms bilden, wirksam gewesen zu sein.Ehe die Völker, von welchen diese Ansiedelungen ausgingen, so naheaneinander gerückt waren, hatte sich hier eine Bevölkerung befunden,welche dem Volke der Sikeler angehörte. Dieses Volk war ein Theilder in ältesten Zeiten über die beiden Halbinseln zu den Seiten desadriatischSn Meeres verbreiteten Pelasger, die auch die von den griechi-